LINDAU – Es ehrt jede kulturelle Einrichtung, wenn sie immer wieder auch jungen und weniger etablierten Künstlern ein Forum bietet. Die Gruppe Roots-Southwest hatte jetzt ihren vielversprechenden Auftritt, der auch für den Jazzclub zum vielversprechenden Programmauftakt für das neue Jahr wurde.
Die Moderation von Saxophonist Magnus Mehl mochte vielleicht noch ein wenig ungelenk sein und Ausdruck einer erfrischenden Nervosität, sein Spiel indes zeigte ihn als versierten Musiker, der seinem Instrument aufregende Läufe und prachtvolle Improvisationen zu entlocken wusste. Das überwiegend den Altmeistern des Bebop gewidmete ‚Material gewann im Spiel des Quartettes meist eine sympathische Durchsichtigkeit, was allerdings auch die Gefahr in sich barg, dass oft mehr die Einzelstimmen statt die Arrangements als Ganzes wahrgenommen wurden. Gitarrist Philipp Treß kümmerte sich meist um das harmonische Gerüst, das er abwechslungsreich und mit viel Fantasie aufzubauen wusste, während Michael Pauker seinen Bass spielerisch und mit synkopenreichen Figuren einbrachte und für das nötige Fundament sorgte – bisweilen hätte man sich bei ihm sogar ein noch größeres Klangvolumen gewünscht. Umso mehr drang dadurch Schlagzeuger Martin Kowallik durch, der die Stücke mit zuverlässigem Drive und rhythmischer Präzision zusammenhielt, allerdings noch größeren Mut für solistische Tätigkeiten und überraschende Übergänge vermissen ließ.
Doch natürlich standen vor allem die spielerische Lust und das ausgeprägte Gefühl für den Charakter der einzelnen Nummern im Vordergrund, den Roots-Southwest sicher und mit allen Insignien des erfahrenen Jazzmusikers nachzuzeichnen wusste. Einmal mehr war der Jazzclub bei diesem Konzert bis auf den letzten Platz belegt, sodass auch die Musiker mit der Resonanz auf diesen Auftritt mehr als zufrieden sein werden.