Künstler entfachen rhythmisches Feuer
Vor ausverkauftem Haus bot die „South African Musical Group“ das Tanzmusical „Power of Africa“. Die dünne Story trat angesichts der tänzerischen und sängerischen Leistungen in den Hintergrund.
Auf der Bühne hat Afrika Hochkonjunktur. Meist wird es dabei auf Trommeln, Tänze und bunte Tracht reduziert, und auch „Power of Africa“ bezog seinen Reiz überwiegend aus dieser Kombination. Weil man aber um gewisse Stammesfehden und den Freiheitskampf im Allgemeinen weiß, kann es nicht schaden, wenn diese Elemente miteinander verbunden und im Rahmen einer Liebesgeschichte in ein „Tanzmusical“ verwandelt werden. Dies also das Rezept von „Power of Africa.“
Um nichts durcheinanderzubringen, hat Pius Shezi in umwerfender Harmlosigkeit, aber leicht verständlichem Englisch durch die Handlung geführt; dabei lässt die Wahl seiner Mittel und Gags darauf schließen, dass er im Laufe dieser Tournee nicht nur auf ein erfahrenes Theaterpublikum stieß…
Zieht man also diesen Teil der Show ab, der möglicherweise auch den notwendigen Umbau- und Umziehpausen geschuldet ist, dann bleibt immer noch eine ganze Menge übrig, um Ohr und Auge zu erfreuen.
Lobenswert ist vor allem, dass es sich offenbar durchweg um südafrikanische Künstlerinnen und Künstler handelt, die auf der Bühne dieses rhythmische Feuer entfachen. Die wilden Tänze bewegen sich zwar innerhalb des choreographischem Konzeptes, erzeugen aber eine immense Wirkung; auch die typischen Gesänge mit ihrer bezwingenden Unmittelbarkeit und rhythmischen Prägnanz lösten begeisterten Applaus beim Publikum aus. Hier widersetzen sich die Darsteller am überzeugendsten der latenten Kommerzialisierungsgefahr, und hier wirkt die musikalische „Power of Africa“ auch authentisch.
Held geht ins Gefängnis
Im zweiten Teil wurde die rhythmische Kraft noch einmal erhöht. Der junge Jabu kehrt auf seinem Weg, der ihn vom Dorf zur Universität, aber aufgrund seiner politischen Aktivitäten auch ins Gefängnis geführt hat, wieder zurück zu seinem Stamm und seiner Geliebten; ein Teil der Tänzerinnen ist nun vorübergehend barbusig, und das erhöht natürlich nicht nur den erotischen Reiz für uns Europäer, sondern soll wohl unterstreichen, das man sich wieder zu Hause „im Busch“ befindet. Unter dramaturgischen Gesichtspunkten macht das natürlich Sinn, denn jetzt setzt die Truppe zu einer wahren Tanz- und Trommelorgie an, die bis zum Schluss anhält.
Erwartungsgemäß wird die gute Stimmung im Saal am Ende durch ein paar Zugaben verlängert, und noch einmal ist zu spüren, dass Angebote dieser Art auch im Theater ihr Publikum und somit auch ihre Berechtigung haben.