Play Strindberg (Friedrich Dürrenmatt)

Beklemmendes Ehedrama voll grimmiger Ironie

Gerade mal 80 Minuten währte das zweifelhafte Vergnügen, ehe im Stadttheater dem „Totentanz“ Strindbergs die letzte von zwölf Runden eingeläutet wurde.

Friedrich Dürrenmatt hat aus dem beklemmenden Ehedrama ein Stück voll grimmiger Ironie geformt. Wie so oft greift er auch in „Play Strindberg“ zum Stilmittel der Groteske und rückt damit den unappetitlichsten Alltagssituationen auf die Pelle: „Humor macht das Unerbittliche erträglich.“ Für die Schauspieler stellt sich in diesem Falle nicht die Aufgabe, der inneren Dramatik des ehelichen Kleinkrieges möglichst intensiven Ausdruck zu verleihen, sondern die humoristischen, gewollt überzogenen Vorgaben maßvoll zu dosieren.

Eva Kotthaus (Gattin Alice) und Gernot Duda (Edgar, ihr Mann) teilen sich die Aufgabe zusammen mit Immo Kroeberg, dem als Vetter Kurt kurzfristig gelingt, der gut eingespielten Seeschlacht einige pikante Variationen zu entlocken.

Reich startet Dürrenmatt den Hauptmann Edgar mit Attributen aus, welche die Fragwürdigkeit dieser Ehe noch augenfälliger machen: Militarist durch und durch, dazu eine Uniform von geradezu lächerlichem Plüsch und Stiefel, die keinen Zweifel am Hohn der Gattin aufkommen lassen: „Ohne diese Stiefel bleibt nichts mehr von ihm übrig…“ Gernot Duda hat keinerlei Probleme mit dieser Darstellung, überzeichnet sie maßvoll und erhascht während seiner makabren Anfälle, mehr noch als unverständlich lallende Kreatur nach seinem Schlaganfall sogar ein gewisses Mitgefühl: Man möchte ihn verachten, das aber herzlich.

Eva Kotthaus läßt nicht den leisesten Zweifel darüber aufkommen, wie erschreckend wenig sie von ihrem Mann hält. Der Zustand ihrer Ehe hat den Punkt längst überschritten, wo noch nachvollziehbar wäre, was der Grund für ihre nunmehr 25 Jahre zurück liegende Heirat gewesen sein könnte. Sollte es tatsächlich nur daran gelegen haben, daß man zur falschen Zeit ein wenig zu eitel war? Sie, die Provinzschauspielerin in verklärtem Primadonnenschein, und Edgar, der noch immer daran leidet, daß seinem Schreiben von Militärtagebüchern noch immer literarischer Glanz versagt ist? Eitle Befindlichkeiten jeden-falls, die Friedrich Dürrenmatt zu erbarmungsloser Demaskierung nutzt und von den Schauspielern willig aufgegriffen wird.

Immo Kroneberg, in Ehren geschieden, scheint die Befreiung von derlei Verstrickungen sichtlich zu genießen und schrammt gerade noch an der Versuchung vorbei, sich von einer der zudringlichen „Parteien“ vereinnahmen zu lassen.

So aber werden die beiden ihren „Totentanz“ weiter tanzen, sich in ihrer privaten, seltsam lieb gewordenen Hölle auf Erden einrichten, die längst schon zum eigentlichen Zweck und Inhalt ihres Daseins geworden ist.

Manch Theaterbesucher wird ein wenig außerhalb des unterhaltenen Elements wahrgenommen haben, froh darüber, sich vielleicht doch nicht ertappt fühlen zu müssen.

Voll war das Lindauer Stadttheater nicht – anregend war es allemal.