Ohrwürmer zum Mitklatschen

LINDAU – Im Rahmen des „Zweiten Allgäu-Musik-Festivals“ waren am Mittwoch die „Golden Gospel Pearls“ zu Gast in Lindau. Während drinnen die Kirche mit Gospelgläubigen gefüllt war, rückten ihr draußen die Hauptsponsoren auf die Pelle.

Im Grußwort schreibt der Schirmherr dieses Festivals zu Recht von „herausragenden Events“, die nun in sieben Städten stattfinden. Denn in der Tat setzen die Veranstalter in ihrem Angebot weit mehr auf Popularität und Besucherquote als auf Konzeption oder gar kulturellen Anspruch. Bei Namen wie Anna Maria Kaufmann, Jeanette oder Stefanie Hertel waren denn auch prominente Sponsoren zu finden, und so darf das Ganze als gelungene Veranstaltungsidee gelten, mit der man offenbar nicht nur Häuser füllen, sondern auch noch Geld verdienen kann.

Es gibt sie noch, die Fans des Gospels, und sobald die Besetzung für eine gewisse Authentizität spricht, füllen sie auch mühelos eine Kirche. So war das auch bei den sechs schwarzen Sängerinnen und Sängern der „Golden Gospel Pearls“, die natürlich nicht nur über ein gutes Stimmpotential und ausgereifte Bühnenerfahrung verfügen, sondern auch wissen, was man von ihnen erwartet: möglichst zahlreiche Ohrwürmer von „Amazing Grace“ bis „Amen“, bei denen man praktisch vom ersten Stück an mitklatschen kann; so viel mitreißenden Schwung, dass sich die Leute gerne von ihren Plätzen erheben; und nicht zuletzt das gute Gefühl, bei dieser Art von Musik jegliche Begeisterung an den Tag legen zu können, die sich ja sonst in dieser Umgebung oftmals verbietet. Das alles hat in der Stiftskirche hervorragend geklappt, sodass Publikum und Veranstalter mehr als zufrieden sein durften.

Zufrieden werden auch die beiden Hauptsponsoren, ein Autohaus und eine Brauerei, gewesen sein. Direkt am Kircheneingang haben sie ihre fahr- und trinkbereiten Produkte präsentiert und zum Pausenmittelpunkt erhoben. Bei aller berechtigten Begeisterung wird sich vielleicht mancher aber doch die Frage gestellt haben, ob der Zusammenhang zwischen Veranstaltung und Sponsor so offensiv dargestellt werden muss, bis diesem irgendwann wirklich der „Altar geopfert“ werden muss.