Ohne alle romantischen Schnörkel

LINDAU – Die Pause nach einem regelrechten Veranstaltungsstau in den Sommermonaten hat nun der Internationale Konzertverein beendet: Im gut besuchten Festsaal des Hotels Bad Schachen gab es deutsche Romantik mit chinesischen Künstlern. 

Gewiss haben die beiden 35-Jährigen – Cellist Yi-Bing Chu und Tai-Hang Du am Flügel – ziemlich wenig Ehrgeiz daran gesetzt, ihr exquisites Programm romantisch zu verklären. Schumanns drei Fantasiestücke op. 73, die sich einst zu den Vorreitern rechnen durften, welche deutsche Satzbezeichnungen verwendeten, blieben so durchaus „zart und mit Ausdruck“ oder „rasch und mit Feuer“ erhalten. Doch näherte man sich diesen Vorgaben unaufgesetzt, schlank im Ton und mit rhythmischer Grazie. Auch die „Fünf Stücke im Volkston, op. 70“ ließ das Duo ein ums andere Mal in agogischer Delikatesse erblühen, ohne aber von der zwar spürbaren, gleichwohl gezügelten Spiellaune abzukommen.

Vielmehr bestachen die beiden Künstler durch ihre wie selbstverständlich wirkende Übereinkunft, was Tongebung und Ausdruckstiefe anbelangt, aber auch durch ihre offenkundige Entschlossenheit, nie ins Sentimentale abzugleiten. Selbst im verführerischen zweiten mit „langsam“ überschriebenen Satz blieb man dieser Maxime treu. Und auch bei Wiedervorlage als Zugabe konnte man lernen, dass Hingabe nicht mit Mangel an Distanz verwechselt werden darf.

Mit seinem „Adagio und Allegro, op.70“ schließlich fand die künstlerische Auseinandersetzung mit Robert Schumann erst einmal ihren Abschluss, und schon jetzt belohnte reicher Beifall eine Darbietung, die geprägt war von ausgeprägtem Klangsinn, dem Verzicht auf jeden romantischen Schnörkel und der gleichzeitigen Wachheit für das kantable Angebot.

Damit allerdings hat Johannes Brahms in seiner F-Dur-Cellosonate ziemlich gegeizt. Und so wird es unter Kammermusikkennern vermutlich wenige geben, die dieses zunächst spröde wirkende Werk zum Favoriten erklären. Um so mehr ist es dann Musikern dieser Güte zu verdanken, wenn es ihnen gelingt, ein solches Stück auszuleuchten, ihm seine herbe Schönheit zurückzugeben und so den schwierig erscheinenden musikalischen Weg zu einer lustvollen Entdeckungsreise zu machen.

Erst jetzt schien Yi-Bing Chu seinem Cello den satten, volltönenden Klang zu gestatten, der zuvor nur Opulentes an unpassender Stelle produziert hätte. Erst jetzt leistete sich Pianist Tai-Hang Du jenen stimmlichen Überschwang, den er bei Schumann noch unter Verschluss hielt. Selbst gelegentliche Intonationstrübungen in den Höhen, die sich des Cellos bemächtigten, vermochten nicht den Eindruck einer versierten und durchdachten Interpretation zu trüben.

Der Gefahr, lediglich das schwere Material aus Brahms’scher Hand zur Schau zu stellen, sind sie souverän aus dem Weg gegangen. Nicht zuletzt deshalb hat der Internationale Konzertverein einen Auftakt geboten, der zugleich zum würdigen Einstieg in die neue Konzertsaison wurde.