Musikalischer Paukenschlag: „Zum Heulen schön“

LINDAU – Das war Balsam fürs Veranstalterherz: Mit einem musikalischen Paukenschlag hat der Zeughausverein im Verbund mit dem Jazzclub seinen anhaltenden Höhenflug fortgesetzt. Mit „Quadro Nuevo“ war ein Ensemble von europäischem Rang zu Gast, an dessen Sound sich jetzt auch die Lindauer Musikfreunde süchtig hören durften.

Und wie das geht, einen vollen Saal in Sekundenschnelle in Bann zu ziehen, führen die vier Musiker gleich mit ihrem ersten Stück vor: Da windet sich ein wehmutsvoller Saxophonklang durch das klangwarme Zeughausgehölz, führt vor, wo der Unterschied zwischen gefühlvoll und gefühlsduselig liegt, ehe er schließlich sein Ziel – einen sanften Tango namens „Nature Boy“ – mit geradezu frappierender Leichtigkeit erreicht. Mulo Francel heißt der Mann, der an diesem Abend mit Saxophon und Klarinette zaubern wird, und bereits bei den nachfolgenden Nummern beginnt man zu ahnen, dass es sich dabei um eine Kunst handelt, der sich offenbar auch seine drei Musikerkollegen verschrieben haben. Denn Gitarrist Robert Wolf, dessen exquisites Saitenspiel gleichermaßen vom Zigeunerjazz eines Django Reinhardt wie vom Flamenco des großen Paco de Lucia (mit dem er gemeinsam auf Tour war) geprägt ist, tat eine Menge, um den unverwechselbaren Sound dieser Gruppe zu einem Erlebnis zu machen.

Zusammen mit Bassist D.D. Lowka und Andreas Hinterseher (Akkordeon und Vibrandoneon) entstand auf diese Weise ein vielfarbiges Klangspektrum, das umso eindrucksvoller wirkte, als es allein mit akustischen Mitteln – also „unplugged“ – erzielt wurde. Mit geschlagenem Bassbogen, aber auch mit Klarinettenklappen, die den Rhythmus vorgaben oder Saxophontönen, die geradewegs einem Didgeridoo entnommen schienen, entstanden immer wieder skurrile, manchmal gespenstische Klangbilder, deren Wirkung man sich kaum entziehen konnte.

Reizvoll war auch, wie Mulo Francel als hintergründiger Conferencier agierte. Dabei erinnerte er beispielsweise an längst vergessene Komponisten wie Carlo Buti, dem wir ein so schönes Lied wie „Chitarra romana“ verdanken. „Quadro Nuevo“ brachte es in diesem Stück fertig, über den Schnulzengeruch der Marke „Caprifischer“ nach und nach den exotischen Duft persischer Nächte zu legen, wobei Francel schon mal den Bassbogen zwischen die Zehen nehmen musste, um die passenden Tabla-Klänge zu erzeugen.

Stilvoll und elegant

Es war ein Abend voller großer musikalischer Momente, stilvoll, elegant und mit feinem Gespür für eine zeitlose Aufarbeitung längst vergangener Musikstile, denen sich ein blind aufeinander eingespieltes Quartett auf höchstem technischen Niveau widmete: „Zum Heulen schön“ – wie sich eine Zuschauerin am Ende äußerte, als diese musikalische Traumstunde bei vollkommener Dunkelheit und dem überirdisch schön gespielten „Flower of the Night“ zu Ende ging.