Geradezu katholisch ging es diesmal in der evangelischen Inselkirche zu, als der Kammerchor sein großes Mozart-Konzert gab: eine seiner beiden Vespern – KV 339 – stand auf dem Programm, ebenso die Große Messe c-moll. Wieder einmal hat der stark geforderte Kammerchor diese anspruchsvollen Aufgaben mit Bravour gelöst.
All die Energien hat der Chor beim schwungvollen Eingangspsalm „Dixit Dominus“ zwar noch nicht freigesetzt, die man bei dieser „Vesperae solennes de Confessore“ schon erspürt hat. Die übergrosse lateinische Textfülle sowie die sorgfältige Abstimmung mit dem hervorragend eingespielten Orchester liessen es hier wohl noch ratsam erscheinen, gewissermaßen auf Nummer Sicher zu gehen und den entschiedeneren, textausdeutenden Zugriff auf später zu verlegen. Dass der dann ausgrechnet vom berückenden „Laudate Dominum“ ausgelöst wurde, passt durchaus zu den Charakteristika des Kammerchores und seines Leiters Lutz Nollert: erfasst von der unerhörten Ausdruckstiefe dieses Mozart’schen Wunders, dem sich die Mezzosopranistin Susanne Kelling und der Chor in gleichem Maße hingaben, bewegten sich die Akteure hinfort mit höchster emotionaler Kraft und der spürbaren Sicherheit, Partitur und Publikum im Griff zu haben. Schon das alles Vorangegange zusammenführende „Magnificat“ sollte davon profitieren, um wieviel mehr die prachtvolle c-moll Messe, die jetzt folgte.
Viel ist wegen dieses großartigen Messe-Torsos, dem wichtige Teile wie etwa das „Agnus Dei“ fehlen, gerätselt worden. Selbst in dieser „verkürzten“ Form hätte er keine Chance auf eine Aufführung innerhalb damaliger Gottesdienstes gehabt: zu einengend waren die reformerischen Vorgaben von Joseph II., die einem 55-Minuten-Werk in mehrerlei Hinsicht im Wege standen. Doch wie im „Requiem“ oder dem d-moll-Kyrie entzündete sich Mozarts Fantasie offenbar gerade dann in besonderem Maße, wenn zunächst kein bestimmter Anlaß im Hintergrund stand.
Der gewichtige, ernste Auftakt der c-moll-Messe erlaubte nochmals einen freien Blick auf die „Sinfonietta Vorarlberg“, die an diesem Spätnachmittag besonders gut vorbereitet schien: präzise und ausbalanciert, ergänzt mit einer zuverlässigen, für dieses Werk so wichtigen Bläsergruppe, nahm sie sämtliche instrumentalen Hürden mit Geschmack und rhythmischem Gespür. Beides bewährte sich im herrlichen Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester, das im vierstimmigen Gloria und noch mehr im zupackenden Credo seine mitreissende Wirkung entfachte. Hier paarten sich Artikulation und Ausdruckskraft der Sängerinnen und Sänger in gewohnter Selbstverständlichkeit, und das gewaltige, achtstimmige „Qui tollis“ verdichtete sich in seinem schleppenden Gestus zu einem inständigen Flehruf, zu dem sich Orchester und Chor zusammenschlossen.
Die Gesangssolistinnen – Birgit Plankel, Sopran und Susanne Kelling, Mezzosopran – teilten sich… (Rest fehlt)