LINDAU – So darf es im Zeughaus weitergehen: Die künstlerische Qualität hervorragend, der Besuch bestens – und frieren muss jetzt auch keiner mehr. Mit „Zizal“ ist dem Kleinkunstverein ein Traumstart in die Herbstsaison gelungen.
Eifrige Konzertgänger sind mittlerweile vorsichtiger geworden, wenn sie mit dem Begriff „Klezmer“ angelockt werden sollen; denn schon manche Klarinette hat sich heillos übernommen, wenn sie ziellos zwischen dem angestammten Tanz- oder Jazzrepertoire irrlichterte und dabei meinte, auch noch den ein oder anderen Klezmer-Standard mitnehmen zu müssen. Dort aber kann man sich besonders schnell „im Ton vergreifen“. Auf dieses musikalische Glatteis besonderer Authentizität hat sich das „Zizal“-Trio gar nicht erst begeben: „Our Concept of Klezmer“ nennt es seine Musik – und treffender kann man das kreative und abwechslungsvolle Miteinander kaum bezeichnen, welches die drei Vollblutmusiker mit Klarinette, Violine und Klavier auf die Zeughausbühne zauberten. Mit einem Höchstmaß an künstlerischer Eigenständigkeit gossen sie Klezmer, Weltmusik und Eigenes in eine musikalische Form, die von Beginn an für sich einnahm, und bereicherten sie hin und wieder sogar mit Jazzelementen.
Reiner Kuttenberger, der Ex-Lindauer, ließ seine Klarinette zunächst aus dem Off erklingen, ehe sich Geige (David Igantius) und Violine (Jan Bertram) allmählich hinzugesellten: Es begann ein musikalischer Dialog, der den ganzen Abend lang geprägt war von Intimität, atmosphärischer Dichte und einer unaufdringlichen Professionalität. Und wer befürchtet hatte, auf flotte oder rhythmische Stücke verzichten zu müssen, wurde mehr als einmal mit druckvollem Drive verwöhnt.
„Ratzefummel“ überrascht
Bezeichnend und originell wären auch die verschiedenen Titel; „Ratzefummel“ beispielsweise, wo man erst befürchten musste, es hätte etwas mit dem anstehenden Papstbesuch zu tun: mit einer glänzend gespielten Cajon und leiser Klarinette tat sich da ein Werk voll verschmitzter Ironie und überraschenden Wendungen auf, selbst das Klavier tat so, als würde es alles gar nicht so ernst nehmen – nein mit dem Papst konnte das wirklich nichts zu tun haben: Allenfalls der anschließende Beifall dürfte die einzige Parallele zu beider Auftritte sein. Darüber hinaus gab es mehrere Stücke, die in Lindau ihre Erstaufführung erlebten – nicht zuletzt eine versonnene, wunderbar vorgetragene Liebeserklärung in Musik an die Freundin von Rainer Kuttenberger.
Zu großer Form lief die Gruppe auch bei den zeitgenössischen Kompositionen eines jüdischen Freundes auf. Insbesondere hier wurde deutlich, wie stilsicher und souverän „Zizal“ mit solchen Stücken verfährt, die ihren Ursprung in der Klezmer-Tradition haben.
Und ehe man sich versah, ging diese Veranstaltung zu Ende, die sich durch gehaltvolle Musik und eine stimmige Programmzustellung auszeichnete – drei Zugaben waren der Dank an das begeisterte Publikum.