Abduhenendas missratene Töchter (Fritz von Herzmanovsky-Orlando)

Mimisches und sprachliches Feuerwerk

Beim Versuch, den Inhalt von „Abduhenendas missratenen Töchtern“ zu erzählen, dürften viele ins Straucheln geraten. Wenn aber die Stemberger-Töchter plus Mutter Schwertsik das Gleiche tun, paaren sich umwerfende Komik mit staunenswerter Schauspielkunst.

Es muss an dieser Stelle nicht versucht werden, allzu tief in das Reich der Porzellantürme einzudringen, wo sich jene bizarren Figuren bewegen, an denen sich die Fantasie des Österreichers Herzmanovsky-Orlando, selig, ausgelassen hat. Wie ein Hauch legt sich sein skurril-genialer Geist um diese Schöpfungen, die auf so sonderbare Namen wie Veschsamabananda, Sozwawymirzwa oder Anschmyrma hören und damit nicht nur zur unmittelbaren Bedrohung für Zeitungsredaktionen oder textschwache Schauspieler werden können. Aus all dem also eine szenische Lesung zu machen und nicht etwa ein Theaterstück, könnte nicht nur an den Verlockungen eines prallen, märchenhaften Textes gelegen haben, sondern auch an einem nachvollziehbaren Sicherheitsbedürfnis. So aber, mit dem schier überbordenden Text vor Augen, nahten sich die beiden Schwestern Julia und Katherina aus dem Hause Stemberger samt Mutter mit offenem Visier der literarischen Versammlung; galt es doch, die unterschiedlichsten Herrschaften mit schauspielerischem Spiel zu bezwingen: Denn wann schon hat man es gleichzeitig mit einem siamesischen Zwilling, einem als Kanarienvogel vermummten Sopran, dem österreichischen Militärattaché am chinesischen Hof oder einem Pfändungskommissär zu tun, dabei stets umringt von Eunuchen, Speichelleckern und Fakiren?

Nichts weniger als ein mimisches und sprachliches Feuerwerk setzte dabei Julia Stemberger aus der linken Bühnenposition ein, landete dabei kolossale Treffer auf jenen Teil des österreichischen Sprachduktus‘, der besonders breit und zerdehnt daherkommt, spuckte dabei mit solcher Inbrunst in die Hände, als wär‘ darauf noch ein Patent zu vergeben, und zeigte schließlich zusammen mit ihren beiden Mitkämpferinnen, dass auch besagte Speichellecker keinerlei Chance gegen die schönen, schnalzenden Zungen der drei Schönen haben würden. Mit starkem Gesang erzwang Christa Schwertsik gelungene Ablenkung, und wenn gar alle drei ihre ungewöhnlichen stimmlichen Fähigkeiten einsetzten, war die Verwirrung im Reich der Porzellantürme komplett: Da wurde Offenbachs „Barcarole“ zu einem Aufmarsch italienischer Küchenherrlichkeiten, Thymina, Karajan und Majoran in Stellung gebracht und gar ein harmonischer Ring um Radetzky-Marsch und Deutschlandlied gelegt. Die Abstimmung zwischen Julia und Katharina Stemberger und ihrer Mutter gelang perfekt, jeder Witz traf genau, und ihr Umgang mit den einzelnen Dialekten zeugte von hoher Professionalität. Auch das, was sie instrumental an Harmonium, Cello und Flöte aufzubieten hatten, war von einnehmender Wirkung und passte zur Güte ihrer choreographischen Einfälle.

Gut 70 Minuten währte dieser mitreißende sprachliche, schauspielerische und literarische Aufmarsch. Die Zuhörer sahen’s mit Vergnügen und begeistertem Applaus: wieder ein Theaterabend, an dem der Titel vielleicht verwirrend, das Ergebnis aber umso begeisternder war.