Flatow-Stück wird zum spritzigen Saison-Finale
Mit einem unbeschwerten Theaterspaß, für den ganz besonders Herbert Herrmann und Edith Hancke sorgten, ist die Theatersaison 1997/98 zu Ende gegangen. Das Kulturamt durfte sich noch einmal über ein volles Haus freuen.
Gewiß, das war keine intellektuelle Herausforderung für theaterbesessene Zeitgenossen. Auf diese dürfte bereits der Titel „Mein Vater, der Junggeselle“ filtrierend gewirkt haben. Wer jedoch das Wochenende mit einer turbulenten, gagreichen und unterhaltsamen Komödie einleiten wollte, kam mit Curth Flatows Stück auf seine Kosten.
Die gute Laune durfte man sich dabei mit dem spürbar motivierten, sechsköpfigen Schauspielerensemble teilen.
Allen voran natürlich Herbert Herrmann, der ein wahrhaft komödiantisches Feuerwerk abbrannte, das selbst seine Mitspieler oftmals zu einem kaum unterdrückten Lachen reizte.
Wie er den viel beschäftigten Junggesellen und verständnisvollen Vater mit unwiderstehlichem Charme auf die Bühne brachte, hatte Witz und barg so manche spielerische Köstlichkeit. Desgleichen gefiel sich auch Edith Hancke in der Rolle einer trinkfreudigen, ewig quasselnden Haushälterin, die sich des Großmuts ihrer Anvertrauten jederzeit sicher fühlen durfte und dies auch innigst ausnutzte.
Mit Beate Maes, Mona Glass und Caroline Leisau stand dem jetzt um den Sohn ergänzten Junggesellenhaushalt ein attraktives Frauenaufgebot in Blond gegenüber, dem zu widerstehen kaum zumutbar erschien. Die erotischen Verwicklungen der drei Schönen – jene als hinreißende Hausgenossin, diese als überkandidelte Ex-Frau, und Caroline Leisau als sexhungrige Schülerverführerin – hielten das Stück im Fluß und ließen auch den etwas schwerfälligen Beginn nach der Pause bald vergessen.
Eine glänzende Partie besorgte schließlich auch Tommaso Cacciapuoti, der den sympathischen Sohn Thomas mit allen Merkmalen eines Achtzehnjährigen versah; seine herrlichen Bewegungen zum verklärt wiederholten „Ich möchte säen und ernten“ forderten spontanen Szenenapplaus hervor.
So wartete das Stück mit gleichmäßig verteilten Späßchen auf, wußte mit netten Weisheiten wie „Eine Beziehung mit Abstand ist mit Abstand das Beste“ oder „Kinder halten ihre getrennt lebenden Eltern für geschlechtslos“ zu gefallen und konnte letztlich aus seinem einseitigen Anspruch – leicht konsumierbare Unterhaltung zu bieten
– eine köstliche und gern angenommene Tugend machen.
Damit hat sich der Vorhang des Stadttheaters vor einem gut gelaunten Publikum für längere Zeit gesenkt – die nächste Aufführung findet erst wieder im Oktober statt.
1998