LINDAU – Drei junge Pianistinnen und ein Pianist sind in die Endrunde um den Rotary Jugend-Musikpreis gekommen. In Meersburg und Lindau spielten sie am Wochenende um den ersten Preis der Jury, aber auch um den Publikumspreis.
Was er mit „hoch begabt“ meint, wenn sich der Rotary Club Friedrichshafen-Lindau die Förderung solcher Kinder und Jugendlicher in die Satzung geschrieben hat, haben die vier jungen Künstler eindrucksvoll gezeigt: scheinbar unbeeindruckt von jedweder technischen Schwierigkeit, spielten sie sich (bei dem hier besprochenen Konzert in Lindau) durch die zahlreichen Klippen der meist romantischen Literatur, als wäre nichts selbstverständlicher. Maxim Böckelmann etwa, der sich am Ende mit Sophie Pacini den dritten Preis teilte: Das aberwitzige Tempo in Ligetis „Zauberlehrling“-Etüde sprudelte mit einer Klarheit aus seinen Fingern, die schlichtweg verblüffte – ganz zu schweigen von den Aufgaben, die der mehrfach herangezogene Liszt beispielsweise in der „Tarantella“ an seine Interpreten stellt. Lag es an der Dominanz des Virtuosen, wenn dann in Regers Sonatine der Eindruck aufkam, dass nicht jede Ausdrucksmöglichkeit ausgelotet schien? Immerhin gestattete Sophie Pacini mit ihrer reifen Wiedergabe der 1. Rhapsodie von Brahms Einblick auch auf diese Seite der Ausbildung. Ein ausgeprägtes Klangempfinden – man denke nur an den schönen Ton im Bass bei Chopins cis-moll Nocturne! – ließ sich auch bei der „Zweiten“, Mona Asuka Ott, festmachen. Wie kraftvoll sie andererseits zu agieren weiß, demonstrierte sie in der wahrhaft teuflischen „Suggestion Diabolique“ von Prokofiew und drei Sätzen aus „Venezia e Napoli“ von Liszt, dessen Oeuvre an diesem Abend arg strapaziert wurde.
Souveräne Bühnenpräsenz
Dass am Ende dann doch Lisette Ho das Rennen sowohl um den ersten Platz als auch um den Publikumspreis machte, lag neben ihrem makellosen Spiel gewiss auch an ihrer souveränen Bühnenpräsenz, die gerade für eine professionelle Karriere mitentscheidend sein kann. Leicht jedenfalls hatte es die mit Roland Krüger, Sheila Arnold und Initiator Peter Vogel besetzte Jury jedenfalls nicht. Sie hat wohl die besonderer Schwierigkeit, wenn alle Pianisten gewissermassen aus dem „gleichen Stall“ Professor Kämmerlings kommen, gespürt. Möglicherweise könnte hier der Vergleich mit Meisterschülern aus verschiedenen Schulen auch für das Publikum einen noch höheren Reiz ausüben.