Selbst Mozart hatte gegen den heftigen Dauerregen am Samstagnachmittag kein leichtes Spiel; und auch an der jungen Pianistin Lydia Gorstein lag es nicht, wenn diesmal der Zuspruch zu einer weiteren Episode zum Thema „Mozarts Klavierwerk“ etwas geringer ausfiel als gewohnt.
Die in Konzerten seltene Begegnung mit Mozarts erstem Übungsheft, dem sogenannten „Londoner Skizzenbuch“, löst immer wieder Erstaunenaus ob der kompositorischen Kraft, die sich bereits bei dem achtjährigen Knaben zu entwickeln begann. Die Russin Lydia Gorstein hat ihr Konzert damit begonnen und neben dem Sonatensatz KV 312 und dem Menuett KV 94 einen wichtigen Beitrag zur Gesamtaufführung des Klavierschaffens Mozarts geleistet. Ihr beinahe unbeschwertes, von geradezu heiterer Angriffslust geprägtes Spiel dominerte auch die Ecksätze der bekannten C-Dur Sonate KV 330 (nicht D-Dur und KV 311, wie im Programm fälschlicherweise beschrieben); dass sie jedoch auch zu gestalterischer Tiefe und zum Ausloten Mozartscher Nachdenklichkeit imstande ist, bewies sie im Andante Cantabile dieses Werkes.
Den zweiten Teil eröffneten die neun Variationen KV 264 über die Ariette „Lison dormait“. Lydia Gorsteins perlender, in den Höhen gern forcierter Ton verlieh diesem Opus einen etwas vordergründigen Charakter, der den Blick auf den kompositorischen Witz und den improvisatorischen Gehalt gelegentlich verstellte.
Unbeschwert und mit erheblichem Kraftaufwand machte sich die 20-jährige Russin auch an die a-moll Sonate KV 310, begriff das vorgeschriebene „Allegro maestoso“ gar als Einladung zu erhöhtem Tempo. Das hat diesen gewichtigen Sonatensatz in der für Mozart seltenen Moll-Tonart dann doch um einen Teil ihrer düsteren Melancholie und ihre im Grunde tragische Grundstimmung gebracht. Ein wenig davon konnte sie im Andante cantabile wieder einfangen, und auch das Presto-Finale mit seiner flüchtigen Atmosphäre entzog sich schließlich der anfänglichen Spielanlage und geriet schließlich doch noch zu einem stimmigen Abschluß.
Am Schluss dann wieder einmal Chopin als zart gespielte Zugabe – so ganz scheinen die verschiedenen Interpreten dieser Reihe Mozarts Wirkung doch nicht zu vertrauen. Vielleicht aber wollen sie einfach nur zeigen, dass sie sich auch in romantischen Gefilden sicher bewegen.