Der Damenschneider (Georges Feydeau)

Lustspiel drückt aufs Tempo

Um Georges Feydeaus Lustspiel „Der Damenschneider“ auf Tournee zu schicken, hat die „Komödie im Bayerischen Hof“ eine Menge Personal aufbieten müssen. Dabei hat Regisseur und Hauptdarsteller Nikolaus Paryla seine Mitspieler und das Publikum im Stadttheater nicht nur mit seiner temporeichen Darstellung in Atem gehalten.

Dass Lügen kurze Beine haben, wusste man bereits vorher. Dass wohlerzogene Hunde ein Stück bereichern und für sympathische Spannung sorgen können, ebenfalls. Und dass eine Komödie, wenn sie denn gut gemacht ist, bei zunehmendem Partnertausch ordentlich an Fahrt gewinnen kann, hat auch auf Lindaus Bühne schon mancher Autor bewiesen. Da ist es gut, wenn spielfreudige und reaktionsschnelle Schauspieler eingesetzt sind, die das besonders hohe Tempo dieser neuerlichen Theater-„Fahrt“ unbeschadet durchhalten können.

Georges Feydeau, französischer Dramatiker des 19. Jahrhunderts, will sein Publikum nicht mit ungewöhnlichen Geschichten oder literarischer Sprachgewalt unterhalten. Ihm liegt daran, Menschen in ihrer Gewöhnlichkeit, ihrer charakterlichen Überforderung vorzuführen und sie genüsslich zu beobachten, wie sie sich in ihren selbst gelegten Fallen verstricken. Diese Methode bewährt sich natürlich am wirkungsvollsten, wenn sich zwischen gestandene Männer und Schwerenöter ein paar hübsche Frauen mischen und so für turbulente Situationen und peinliche Begegnungen sorgen.

An solchem Personal war in diesem Lustspiel kein Mangel. Besonders an Josef Schwarz als Etienne hatte man sein Vergnügen. Und wenn so auffallende Erscheinungen wie Karin Kiurina, Genoveva Mayer und Susanne Muhr die Bühne betreten, dann lässt sich nachvollziehen, dass die Herren etwas unruhig werden. In dieser Hinsicht war auch spielerisch alles in bester Ordnung.

Freilich litt die Stringenz der Aufführung zunehmend daran, dass sich Hauptdarsteller und Regisseur Nikolaus Paryla allzu häufig auf seine Improvisationskunst verließ – vermutlich auch zum Leidwesen seiner Mitspieler, die auf manches Stichwort wohl vergeblich warteten. Spielerisch brillierte der große Schauspieler wie gewohnt, doch die Anhäufung textlicher Ungenauigkeiten, verhaspelter Worte und dem immer weiter anziehenden Tempo sperrten sich gegen den Eindruck einer runden und geschlossenen Aufführung. Dass Nikolaus Paryla in der Lage ist, auch mal ein schwächeres Stück aufzuwerten, weiß man. Diese Gelegenheit hat er im Falle des „Damenschneiders“ verpasst.