Darstellerinnen kommen immer mehr in Fahrt
Zwischen Max Frisch und Henrik Ibsen kann eine spritzige Musikrevue wie „Sekretärinnen“ durchaus belebend wirken. Ob manch sängerisches Highlight und die sichtbare Lust zum Komödiantischen allerdings das Zeug zu einem rundum befriedigenden Theaterabend hatten, wird sicherlich unterschiedlich bewertet worden sein.
Man nehme einige gesangserfahrene Schauspielerinnen, denke sich ein Thema aus – sagen wir ‚mal: Frauen im Büro – und suche dazu passende Musik, über die man ein wenig von weiblicher Befindlichkeit erfährt. Mit etwas Theatergeschick entsteht daraus ein vergnügliches Werk, das gar nicht erst den Eindruck erwecken will, es käme ihm auf eine richtige Handlung an. Dieses Rezept hat der Erfolgsautor Franz Wittenbrink bei „Sekretärinnen“ geschickt angewandt, bei „Männer“ allerdings schon erweitert; in „Comedian Harmonists“ schließlich hat er die musikalische Grundausrichtung mit biographischen Elementen verbunden und damit die stimmigsten Voraussetzungen für das geschaffen, was er „musikalisches Schauspiel“ nennt.
„Sekretärinnen“ also muss noch weitgehend ohne diese Elemente auskommen, und jeder Regisseur muss sich darauf verlassen können, dass die stimmlichen und komödiantischen Mittel sich an der abwechslungsreichen Liedfolge entzünden. In dieser Hinsicht ließ die Lindauer Aufführung kaum einen Wunsch offen. Die acht Schauspielerinnen stürzten sich beherzt und voller Spiellust auf die prallen Unterschiedlichkeiten, die sich nun einmal zwischen alten Schlagern, Evergreens oder dem Donauwalzer auftun. Harmloser Singsang sah sich bisweilen schier opernhafter Darbietung gegenüber, und wenn auf die mitreißende Interpretation von „Respect“ durch Susanne Marik plötzlich das ergreifend vorgetragene Volkslied
„In einem kühlen Grunde“ folgt, so wirkte beides wie der Hinweis darauf, dass bei allem Übermut durchaus ernsthafte Schauspieler am Werk waren. Die schienen es jedenfalls zu genießen, auch einmal Seiten ausspielen zu können, mit denen sie sonst viel kontrollierter umgehen müssen – und offensichtlich hatte das Publikum ebenfalls seinen Spaß daran.
Auch wenn man nach den ersten 30 Minuten noch nicht so ganz daran glauben wollte, dass“Sekretärinnen“ tatsächlich noch so in Fahrt kommen würde wie gegen Ende – es ist geschehen. Allein schon wegen dieser erfreulichen Entwicklung war „Sekretärinnen“ nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert.