War sie vielleicht doch „ein schlechtes Weib“?
Immerhin: es war Lindau, wohin der 62-jährige König Ludwig I. seine verführerische Mätresse Lola Montez zunächst schickte, als er ihret und der Revolution wegen abdankte. Die elf Tage im damaligen Hotel „Krone“ bildeten den Auftakt für eine Unzahl von Briefen, die sich das von nun an getrennte Liebespaar hinterherschickte. Nicht einmal 40 Zuhörer blickten Horst Sachtleben, dem Staatsschauspieler des Münchner Residenztheaters entgegen, als er sein virtuoses Gefühls- und Betrachtungsbad über Herrschers Pflicht und Herzens Not im Gewölbesaal des Hospitals ergoß. Hat man ihm seine Leidenschaft für die bayrische Pompadour immer noch nicht verziehen?
Ulrike Arnold, jung, schön und – auch das noch: – rauchend, ließ erahnen, weshalb des Monarchen Sinne zeitweilig mehr vom bezaubernden Anblick seiner skandalumwitterten Mätresse als von der Architektur seiner großen Bauten in der Münchner Ludwigstraße gefangen waren.
„Hab, was in dir, in keiner je gefunden“, schreibt er. Nun denn: bei Überweisungen von umgerechnet mehreren Millionen Mark in den immerhin fünf Jahren ihrer Beziehung hätte er sich das vermutlich auch kein zweites Mal leisten können. Lange war er überzeugt: „Du liebst Ludwig, nicht den König“, und während sich schon bald Studenten und wohlfeile Namen vom Liebreiz ihres Körpers überzeugen durften, stellt sie ebenso treuherzig wie untreu fest: „man kann nicht zu den anderen hinuntersteigen, wenn man die Geliebte eines Königs gewesen ist.“
Horst Sachtleben und Ulrike Reinhold gelang es in atemberaubender Weise, die vom Autor Reinhold Rauh vorgenommene Auswahl des erst jüngst veröffentlichten Briefbestandes von 400 Exemplaren zu einem spannenden Bühnenstück zu verdichten. Auch in Kenntnis des eher nüchternen Ausganges dieser teuren Lovestory (O-Ton Ludwig: „doch endlich sehe deine Schuld ich klar!“) schwankten die Sympathien abwechselnd zwischen der selbstbewußten, erfrischend feministischen Lola und dem erotisch geradezu gebannten Ludwig. Widerstrebend nimmt man hin, wie die beschwörenden, schmachtenden, Rat suchenden und Rat gebenden Briefe – ein nuancenreich und souverän bearbeitetes Feld der beiden Darsteller – abglühen, die Abstände größer werden und die Hoffnung auf das wider besseres Wissen erhoffte Happy-End zerrinnt. Zum Schluß, Lola über Lola, stolz: „Sie war ein Weib“, aber auch: „Sie war ein schlechtes Weib.“ Die Anwesenden waren begeistert – ein paar Dutzend mehr, und man hätte sie „Publikum“ nennen können…