Einmal mehr erwies sich der Auftritt des „Lindauer Kabaräh“ als Zugnummer erster Güte. Im ausverkauften Club Vaudeville widmete sich das Quartett vornehmlich seinen alten Lieblingsgegnern, zu denen mittlerweile auch die „Obine“ gehört.
Das war die Ausgangslage: „Lindau ist so toll!“ Doch weil es hier zwar vieles gibt – z.B. Stadtmarketing, Kongresse, Events, Brückenfest und IHL -, darunter aber auch einiges, was seinen Platz in dieser Stadt noch nicht so recht gefunden hat, hat das „Lindauer Kabaräh“ manches davon genauer betrachtet.
Seit der Stadtratswahl gab’s kabarettistisch nichts mehr zu verkünden. Doch weil die letzte ohne große Überraschungen ausging, war dies Thema mit ein paar gut verdaulichen Seitenhieben auf das eigene „bunte Lager“, die „schlappe SPD“ und – was war da noch? – die ödp, schnell abgetan. Auch der große Rest im Stadtratskollegium wird keinen Grund haben, den zwei bunten „Kabarählern“ künftig auszuweichen. Größere Zuwendung fand da schon Jürgen Müller, insbesondere aber seine Nachfolgerin im Amt, deren bisherige Leistungen schon mal auf das Hochziehen von neun Hundebabies reduziert wurden. Was es mit ihren Arbeitsprinzipien – dem Schnüren von Paketen oder dem Hang, „jemanden ins Boot zu holen“ – auf sich hat, war im musikalischen Highlight „Kann denn Schwafeln Sünde sein“ zu erfahren. Die gut arrangierten Lieder, meist bekannte alte Schlager, sind nach wie vor ein besonderes Merkmal der Vier; sie wurden zusätzlich durch die stimmlichen und mimischen Qualitäten Franz Waltenbergers aufgewertet. Ein Spaß, der auch die beiden Frauen Katrin Seeberger und Bärbel Heumann sichtlich inspirierte. Letztere sang übrigens eine herrliche Version des berühmten „Girl from Ipanema“, während von Franz Waltenberger seine hinreißend dargebotene Zecher Rede als geradezu beängstigende Hitler-Parodie in Erinnerung bleiben dürfte.
An den zahlreichen, großzügig verwerteten Angriffsflächen, die unser allseits bekannter Lindauer Schönheitschirurg bietet, hatte das Lindauer Kabaräh samt Publikum seinen besonderen Spaß, und manche mögen anhand seines Interviews in der „Welt“ ein wenig fassungslos zur Kenntnis genommen haben, welch seltsame Männerfantasien so ein teurer Autopark voraussetzen muss, um die „Trias aus Sex und Frauen“ zu komplettieren.
Reichlich Spott erntete auch das Missverhältnis zwischen Erwartung und Realität im IHL mit seinen paar Studenten, und schallendes Gelächter gab es, als die ursprüngliche avisierte Zahl von 400 bis 500 vom einem der Verantwortlichen mit dem Satz kommentiert wurde: „Wir müssen wohl mit der Hälfte zufrieden sein, also mit 150…“.
Was dann allerdings „Professor“ Götz Rauch in dieser Angelegenheit als Statement abgab, gehörte in seinem Fremdwörter-Labyrinth zum Besten des ganzen Abends – ähnlich übrigens wie der Versuch, den Schlüssel für das künftige Leben in einem Kindergarten, wie sich das Bayern so vorstellt, über eine Formel zu errechnen.
In solchen Szenen fanden die Mitwirkenden zu ihrer wahren Stärke, mehr als in den gelegentlich etwas platt wirkenden Angriffen, mit denen sie einige Zeitgenossen unter Beschuss nahmen. Solche Szenen und die originellen Lieder überdeckten auch die teilweise großen Sprünge, mit denen das „Lindauer Kabaräh“ zwischen Zech, DB oder AKL wechselte – um nur einige der weiteren Themen anzudeuten.
Doch hat Götz Rauch mit „Schlecht gebrüllt, Löwe“ wieder eine Menge Lindauer Stoff zusammen getragen, über den man amüsiert, verwundert oder auch verärgert sein kann; wie groß der Wunsch ist, das alles wenigstens einmal jährlich aus der Sicht der vier Amateur-Kabarettisten zu sehen, zeigt der anhaltende Erfolg dieser Lindauer Institution.