LINDAU – Mit der glanzvollen Silvestergala im Stadttheater hat Lindau vor einem Jahr gleich ein ganzes Feuerwerk kultureller Schmankerl gezündet, galt es doch, den 200. Geburtstag Lindaus als bayerische Stadt würdig einzuleiten. Zahlreiche Festveranstaltungen und Vorträge folgten dann während der folgenden Monate.
Wie immer wurde auch 2006 das reiche städtische Kulturangebot von einer Vielzahl weiterer Anbieter ergänzt. Insbesondere die Musikvereine bilden dabei eine feste und unverzichtbare Kultur-Säule, ebenso wie Club Vaudeville, Jazzclub und Zeughaus-Verein. Überaus abwechslungsreich war auch das Angebot der Kirchenmusik und des „Collegium Musicum“ um Wilfried Bergmann. Hier ragen insbesondere die mehr als zwei Dutzend Konzerte der Münsterkirche mit Mozarts Requiem (Oktober) als Höhepunkt heraus, für die allesamt Kirchenmusiker Nikolaus Schwärzler verantwortlich war. Aus der benachbarten Stephanskirche bleiben vor allem die dreieinhalbstündige Aufführung der „Matthäus-Passion“ (April) und zuletzt – ebenfalls von Bach und unter Lutz Nollerts Leitung – das „Weihnachts-Oratorium“ in Erinnerung.
Als kulturelles Vorzeigeensemble darf weiterhin die Lindauer Marionettenoper gelten, die ihr reizvolles Programm mit einer Neuinszenierung der „Carmen“ aufgefrischt hat (März) und beim Mozartfest in Mailand erstmals auch einen überwältigenden internationalen Erfolg feiern durfte.
Das „Podium 84“ trat im Mai mit dem lokalhistorischen Stück „Unsere kleine Reichsstadt“ von Helga Sauermann an die Öffentlichkeit, während sich das „Theater Blauer Kater“ bald danach mit einer Reihe verschiedener Stücke zu seiner Abschiedstour aufmachte – im September ging die 20- jährige Ära des Ensembles um Elisabeth Gessau zu Ende.
Zwei besondere Ausstellungen
Es ist an dieser Stelle nur beispielhaft möglich, auf denkwürdige Einzelveranstaltungen einzugehen: Musikalisch gehört sicherlich der Klavierabend mit Grigory Sokolov im Februar dazu, in Sachen Theater die Aufführungen der Bühne aus Sachsen-Anhalt mit „Elektra“ und dem „Faust“. Ein kabarettistisches Highlight waren der Auftritt von Georg Schramm im ausverkauften Stadttheater und diejenigen von Uli Boettcher („Improshnikov“ und „Die Auswanderer“) im Zeughaus.
Im Ausstellungsprogramm gab es zwei Besonderheiten. Der Ankauf des Lindauer Tiffany-Fensters für das Stadtmuseum durch die Sünfzengesellschaft war Anlass zur Tiffany-Ausstellung mit wertvollen Leihgaben, Metallarbeiten, Lampen und Gläsern aus Museen in Deutschland und aus Schweizer Privatbesitz.
Zum 50. Jubiläum der Gesellschaft der Kunstfreunde Lindau zeigte das Stadtmuseum „Illustrationen“. Mit über 100 Goethe-Illustrationen von Ernst Barlach erinnerte das Kulturamt an die erste Ausstellung des 1956 neu gegründeten Vereins. Dem Vertreter der klassischen Moderne standen zeitgenössische Illustrationen Lindauer Künstler zu Heine, Rilke, Kafka, Brecht und Hemingway gegenüber.