Mehr als zwölf Jahre ist es her, dass Lieder wie „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Der Leiermann“ – um nur zwei Stücke aus Schuberts „Winterreise“ zu nennen – in Lindau aufgeführt wurden. Am kommenden Sonntag besteht endlich wieder einmal die Möglichkeit, den berühmten Liederzyklus zu hören: Georg Lehner, Bariton, und Rudi Spring am Klavier sind die Interpreten.
Mit der „Winterreise“ hat es seine besondere Bewandtnis: ursprünglich für Tenor geschrieben, haben die Sänger dieser Stimmlage bald gemerkt, dass die tonartliche Abfolge, wie sie in Schuberts Autograph steht, nur Sängern mit einem entsprechenden Tonumfang gelingt. Die meisten haben sich deshalb dadurch beholfen, dass sie die jeweiligen Stücke ihren Möglichkeiten entsprechend „zurecht transponiert“ haben. Das hat natürlich Auswirkungen auf das dramaturgische Gefüge der Komposition, denen sich aber auch schon Schubert einst hat fügen müssen. Diese fragwürdige „Tradition“ hat sich bis in unsere Tage hinein fortgesetzt – und noch viel häufiger bei Fassungen für Bariton, in denen das Werk meist zu hören ist.
Auch am kommenden Sonntag wird die „Winterreise“ für diese tiefere Stimmlage zu hören sein – der international tätige, vor allem als Mozart-Interpret bekannte Georg Lehner aus Wien wird die 24 Lieder singen. Doch anders als üblich, werden in dieser Aufführung die originalen Tonverhältnisse zu erleben sein, die Rudi Spring durch konsequente Transposition erschlossen hat. Den Konzertfreunden steht also nicht nur eine Wiederbegegnung mit dem gebürtigen Lindauer Rudi Spring ins Haus, sondern auch eine Aufführung der „Winterreise“, wie sie in dieser Form nur selten zu hören ist.
Der Beginn des Konzertes im Gewölbesaal ist 20.30 Uhr, Karten von 10 bis 25 Euro sind bereits jetzt im Hospital-Büro (948 540) und an der Abendkasse erhältlich.