LINDAU – Es war wieder einmal ein Abend, an dem der Gewölbesaal seine akustischen Stärken ausspielen durfte. Zu Gast war der Münchener Gitarrist Wolfgang Mayer mit einem kurzweiligen, vielleicht ein wenig zu gesangslastigen Programm.
Mit einer „Contemplation“ begann der Gitarrist verhalten, doch schon mit dem „Tanz des Müllers“ von Manuel de Falla hat er gewissermaßen ganz „andere Saiten“ aufgezogen, um endlich mit zwei Liedern desselben Komponisten die große Bandbreite aufzuzeigen, die diesen Abend kennzeichnen würde. Wolfgang Mayer hatte sich einige große Werke der Gitarrenliteratur ausgesucht, um den Grund für die ungebrochene Popularität dieses Instrumentes zu dokumentieren. Technisch scheint er mit den neuesten Entwicklungen vertraut zu sein, und die Selbstverständlichkeit, mit der er die haarsträubendsten Griffe vollzog, weist ihn als Meister seines Faches aus.
Ungewohnt, jedoch von exotischem Reiz dürfte für viele die Vokalfassung des berühmten langsamen Satzes des „Aranjuez‘-Konzertes gewesen sein. Die Melancholie des Satzes ließ die Erinnerung an den vertrauten Orchestersatz verblassen. Zum musikalischen Höhepunkt vor der Pause avancierte aber trotz allem Bachs d-moll Chaconne in der Bearbeitung von Segovia. Danach gab es einen Abstecher zu einem Brecht-Lied („Die Moldau“). Es folgte eine der vielen Opernparaphrasen, die Guiliani für Gitarre komponiert hatte: Rossini, zart besaitet, spielerisch gekonnt und in schönster Belcanto-Manier. Ein „Tango Nuevo“ – Der Tod des Engels – von Astor Piazzolla trug aufregende Klangfarben und packende Rhythmen in den ehrwürdigen Saal.
Eine Reihe von spanischen Stücken schloss sich an, in denen Wolfgang Mayer wieder als Sänger hervortrat, wo er allerdings nicht in gleichem Maße zur Wirkung kommen konnte wie als Instrumentalist. Mit einigen populären Melodien, zu denen auch ein schmissiger Ragtime gehörte, erweiterte er den musikalischen Bogen. Zu ihm passte auch die sprachlich vergnügliche „Räubergeschichte“ als Zugabestück, ebenso eine köstliche Heinz-Erhardt-Reminiszenz. Nach gut 90 Minuten war der abwechslungsreiche Saitenzauber vorüber.