Versprechen „Tiefgängiges mit Humor“ wurde eingelöst
Mit ihrer Produktion „Sein und Nicht Sein“ ist die Vorarlbergerin Renate Bauer wieder mal nach Lindau gekommen. Ihr Ensemble „Shakespeare, das Theater“ sorgte für guten Besuch im Zeughaus.
„Nichts Menschliches sei uns fremd.“ Unter dieses Motto hat die Schauspielerin Renate Bauer das knapp 90-minütige „poetische Varieté“ gestellt. Dafür sammelte sie eine ganze Reihe von Texten, Zitaten und Gedichten unterschiedlichster Schriftsteller; dieses Konzept garantierte nun auch im Zeughaus beste Unterhaltung und anspruchsvolle Kurzweil. Auch die Ankündigung, „Tiefgängiges mit Humor“ zu verbinden, wurde mehr als einmal eingelöst.
Natürlich handelte es sich bei „Sein und Nicht Sein“ um keinen braven Vorleseabend. Dafür sorgte neben dem weiblichen Schauspielerquartett mit seiner überaus einfühlsam und gekonnt aufspielenden Geigerin (Christine Schneider, dazu Karin Sommerlechner und Monika Mayer-Plavidis) vor allem Martin Sommerlechner. In zahlreichen Spielszenen, die mal durchtränkt waren von Liebeslust (im Hohelied Salomons), mal von kühler Distanz („Liebelei“), begab sich der Künstler in unterschiedlichste Lebenslagen, von denen eine authentischer wirkte als die andere. Zum besonderen Glanzlicht wurde die österreichische Variante eines Chansons von Jacques Brei, wo er die Liebe zwischen zwei Freunden thematisiert und dabei eine geradezu erschütternde Ausdrucksfähigkeit erlangt. Das Thema „Liebe“ spielte innerhalb des Programms ohnehin eine große Rolle, dem sich die Akteure aus unterschiedlichsten Betrachtungswinkeln widmeten. Genauso fündig wurde man beimThema „Theater und Kultur“, dem sich so prächtig mit Ironie, Leidenschaft oder Sarkasmus nähern lässt.
Die Idee, das Geschehen im Hintergrund durch geeignete Musik oder passende Videoprojektionen zu vertiefen, um auf diese Weise einen zusätzlichen Spannungseffekt zu erzielen, erwies sich als gelungener Regieeinfall – dies auch deshalb, weil die technische Umsetzung ohne irgendwelche Pannen verlief, die oft damit einhergehen.
Gewiss haftete dem großzügig bemessenen Themenfeld, das von Shakespeare bis Loriot und von der Bibel bis zum ORF-Interview reichte, eine gewisse Beliebigkeit an, dem das Streben nach möglichst großer Vielfalt jederzeit anzumerken war. Die Qualität des Gebotenen jedoch, ebenso die Tatsache, dass man sich von vornherein dem revuehaften Charakter dieses Projektes verschrieben hatte, sprachen aber für die Richtigkeit dieser Entscheidung, die das Publikum mit manchem Zwischenapplaus, erst recht aber mit einem herzlichen Schlussapplaus honorierte.