Krimi geizt mit Spannung
Mit dem Kriminalstück „Revanche “ hat der zweite Teil der diesjährigen Theatersaison seine Fortsetzung gefunden. Die Inszenierung im Stadttheater mühte sich lange, um die Neugierde auf inhaltliche Überraschungen in Spannung zu verwandeln.
„Sie wollen also meine Frau heiraten!“ Mit dieser Äußerung, die Krimiautor Andrew Wyke gegenüber seinem jungen Rivalen Milo Tindle macht, setzen die beiden Männer ein listenreiches Spiel in Gang, das nichts weniger zum Ziel hat, als den anderen aus dem Weg zu räumen. Mit englischem Humor – wenn auch, wie etwa im Falle von „Wiltshire“, nicht immer mit der entsprechenden Aussprache – und gefährlichem Charme hat Anthony Shaffer eine Story in Gang gesetzt, die auf verblüffende Wendungen und einen unvermuteten Schluss setzt.
Allerdings führt einen die Produktion des „Euro-Studio Landgraf“ durch einen langen ersten Akt, in dem die beiden Protagonisten Jochen Senf und Martin Lindow nicht so recht zu wissen scheinen, was sie mit ihren Rollen anfangen sollen. Mit albernen Übertreibungen, plakativer Gestik und betonter Coolness testen sie allzu lange aus, ob sie das Stück nun als Komödie, Kriminalstück oder Eifersuchtsdrama angehen sollen. Gelegentlich verfängt dann ein sprachlicher Gag, an dessen Reaktion sich feststellen lässt, dass sich Leute im Saal befinden. Einige davon überlegen wohl zur Pause, ob ihnen die Auflösung eine weitere Halbzeit wert ist.
Begeisterung kommt nicht auf
Zum Glück häufen sich danach die Überraschungsmomente, und auch die Akteure scheinen sich wesentlich wohler in ihren Rollen zu fühlen. Das Kriminalstück setzt ein paar ernsthaftere Akzente, und allmählich kann man den Erfolg, den dieses Stück in den Siebzigern hatte, nachvollziehen. Auch wenn am Ende keine rechte Begeisterung aufkommen mag, so ist man wenigstens wieder ein wenig versöhnt. Ein bisschen mehr sollte es aber trotzdem sein, wenn ein Theaterbesuch auch zu einem erinnerungswürdigen Erlebnis werden soll.