Komikerin beschreibt die Ehe als Krieg

LINDAU – Die Freude über das gegenwärtige Hoch, das den Zeughausverein in puncto Auslastung und Qualität erfasst hat, war dem Vorsitzenden Karl-Heinz Brombeis deutlich anzuhören. Der Auftritt von Patrizia Moresco vor ausverkauftem Haus und begeistertem Publikum wird diese Freude wohl noch vermeht haben.

„Heiraten“ – damit hat die Komikerin natürlich Recht – „ist der Hauptgrund für Scheidungen.“ Wenn eine solche Ehe dann noch im Schnellverfahren geschlossen wird, aber trotzdem 19 Jahre hält („19 Jahre – das bekommt man für zweifachen Mord!“), dann lässt sich einiges zu diesem Thema sagen. Und so erlebt das Publikum Patrizia Moresco, wie sie schonungslos und gründlich den Beginn, den Verlauf und das Ende einer solchen Erfahrung beschreibt und was das anschließende Single-Leben so zu bieten hat, wenn man stramm auf die Fünfzig zugeht.

Ermutigend klingt das alles nicht, was die Vollblut-Komikerin da hervorzerrt; doch weil man sich ja im Kabarett und nicht in der Therapie befindet, einigt man sich schnell auf die forsche Formel, auf die Patrizia Moresco ihre Erfahrungen baut: „Ehe ist der einzige Krieg, bei dem man mit seinem Feind ins Bett steigt.“

Derb geht es also oftmals zu, doch die gelernte Schauspielerin versteht es prächtig, ihre deftigen Anspielungen mit einer umwerfenden Performance, einigen Songs und gekonntem Spiel im Zaum zu halten. Heraus kommt eine köstliche Abrechung mit dem anderen Geschlecht und den Ratschlägen so genannter Freundinnen. Diese klingen nämlich etwas so: “ Die andere ist zwar jünger, aber Du hast auch Deine Lebensberechtigung.“ Solche Pointen treffen den Nerv des Publikums, das den unvermeidlichen Fortgang dieses ehelichen Horrortrips mit zunehmendem Szenenapplaus belohnt.

Sitzungen beim Therapeuten

In den Sitzungen beim Therapeuten läuft die Künstlerin zu wahrer Hochform auf, und wenn sie ihr erstes Nach-Ehe-Date mit einem urigen Bayern vorführt, brandet der begeisterte Beifall nicht zuletzt deshalb auf, weil er auch ihre eindrucksvolle Verwandlungskunst und das perfekte Spiel mit Dialekten belegt.

Nach der Pause folgen wahre Milieu-Studien: über Berlin-Kreuzberg führt uns der Weg, sie veranschaulicht die Qualen im Fitnessstudio ebenso wie die Illusionen einer natürlichen Geburt, schildert die Enttäuschungen bei Klassentreffen und zeigt, dass eigene Kinder nicht nur Spaß machen. Doch nachdem sie noch ein paar hinreißende Szenen im Altenheim zum Besten gibt, zeichnet sich schließlich ein Ende ihres neuen, ziemlich exzessiv genossenen Single-Lebens ab – das Ganze wird also wohl wieder vor vorne beginnen. Dem Publikum im Zeughaus freilich werden nicht nur ein paar nachdenkenswerte Szenen von Patrizia Moresco in Erinnerung bleiben, sondern auch einige Momente, die zu den kabarettistischen Highlights auf der Zeughausbühne gerechnet werden dürfen.