Klosterschüler missionieren mit Lokalpatriotismus

LINDAU – So prall, heiter und musikalisch lässt sich das diesjährige Thema des Bodenseefestivals – „Inspiration Landschaft“ – behandeln: die A-capella-Gruppe „Mannes Sangesmannen“ hat dem zahlreichen Zeughaus-Publikum gezeigt, dass es „a Gnad Gottes isch, Oberschwob zom sei“.

Jung sind sie, die acht ehemaligen Klosterschüler aus Bad Wurzach, die seit 1999 mit ihrem oberschwäbischen Lokalpatriotismus missionieren und dabei auf jede Menge Anhänger stoßen. Ausgestattet mit einem beträchtlichen sängerischen Potenzial und einem Übermaß an Humor gelingt es ihnen auf Anhieb, das Interesse der Zuhörer auf jene Dinge zu lenken, die seit jeher das Herz eines echten Oberschwaben bewegen.

Auf ihren musikalischen Wallfahrten konkurrieren sie dabei selbstbewußt mit Städtchen wie etwa Lindau, lassen aber keinen Zweifel daran, dass es bei ihnen im Grunde am schönsten sei. Das wirkt sympathisch, nimmt ein und fördert die witzigsten Ansagen und oft noch witzigere Wortspiele zutage. Ein flotter Grundkurs im Oberschwabischen geht in Stellung gegen das Überhandnehmen von Anglizismen, auch wenn sich das dortige Liedgut trefflich in dialektsatte Stücke verwandeln läßt.

Dabei bringt die überbordende Mimik von „Mannes Sangesmannen“ zuverlässig in Ordnung, was der Sprachentransfer gelegentlich verweigert. Meist jedoch entstehen dabei Texte von beträchtlicher Originalität – etwa bei der „Let it be“-Version, wo der Entschluss, statt Landschaftsmaler nunmehr Landsschaftssänger zu werden, in jene herrliche Schlusspointe mündet: „und im Riad verrecket d’Frösch.“

Dazwischen wird man gewahr, wie elegant die Erwähnung von Sponsoren mit „Gruibaschmaus und Ohraschmalz“ verwoben werden kann.

Dass das Ganze unangestrengt, aber mit bezwingender stimmlicher Qualität geschah, hat den Charme der Veranstaltung erhöht und letztlich wohl auch dazu geführt, diese Gruppe jetzt auch im Rahmen des Bodenseefestivals zu präsentieren. Eine in jeder Hinsicht köstliche Adaption von „The Lion sleeps tonight“ hat am Ende wahre Begeisterung ausgelöst und diesen Termin endgültig in die Reihe derer eingereiht, die sich zumindest kein Chorsänger hätte entgehen lassen dürfen.