Klingendes Ereignis von hoher Güte

LINDAU – Gelegentlich bedarf es eines zweiten Anlaufes, um das gewünschte Ziel zu erreichen: Mit Thomas Spies scheint die Musikschule jetzt den Dirigenten gefunden zu haben, der das hohe Niveau der Jugendkapelle dort hält, wohin es Könner wie Josef Furchtner, Lothar Zänker und Franz Matysiak gebracht haben. Das Jahreskonzert bot viele Gründe für diesen Optimismus.

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn sich mehr als 50 Jugendliche trotz Kenntnis der Vorbereitungsmühen für ein Konzert zusammentun. Der Reiz, ganz vorne mitzuspielen und das Vermögen, besonders anspruchsvolle Literatur auch bewältigen zu können, scheint dabei Kräfte freizusetzen, die nur ein einfühlsamer und qualifizierter Dirigent erreicht. Anna Remig, die Sprecherin der Jugendkapelle, hat dann auch zu Beginn ihrer zahlreichen Erklärungen erkennen lassen, wie hoch die Inanspruchnahme im Vorfeld war; gleichwohl überwog der Stolz auf das klingende Ergebnis, das solche Mühen zur Voraussetzung hat. Sie hat auch nicht vergessen, sich für das Verständnis und die Geduld der mitstrapazierten Eltern zu bedanken.

Bereits die drei ersten Stücke des Vororchesters zeugten in ihrer Präzision und ihrer guten Klangbalance von der sorgfältigen Vorbereitung durch den neuen Dirigenten. Ganz selbstverständlich vermischten sich dabei die Bläser des Musikvereines Reutin mit denen der Musikschulzöglinge. Dass es jetzt offenbar guter Brauch wird, jedes Jahr mit einem anderen der Lindauer Musikvereine zusammenzuarbeiten, ist nur zu begrüßen.

In den zehn angekündigten Werken, die dann die Jugendkapelle vorstellte, sorgte der Leistungsstand dieses Orchesters und das abwechslungsreiche Repertoire ein ums andere Mal für begeisterten Applaus. Der saubere, schnörkellose Dirigierstil von Thomas Spies scheint den Musikerinnen und Musikern viel Sicherheit zu vermitteln, denn selbst die schwierigsten Übergänge und kompliziertesten Tempowechsel nahm das Orchester souverän und natürlich. Auch im Zusammenspiel mit der Trompeterin Silke Stohr besann sich die Jugendkapelle jederzeit auf ihre Rolle, was in der „Concert Etude op. 49“ durch die gute Balance zwischen Orchester und Solistin auch hörbar wurde.

Besonderen Anklang fanden die klangsatte Bearbeitung von Bachs berühmter d-moll Toccata. Wie wichtig, zuverlässig und unverzichtbar stets die Beiträge der Rhythmusgruppe sind, war in Stücken wie „Soul Bossanova“ von Quincy Jones oder einem Arrangement der „Gardenparty“ zu hören.

Wieder einmal ist festzuhalten, dass das Jahreskonzert der Jugendkapelle auch einen großzügigen Einblick in die überaus reichhaltige, musikalisch höchst anspruchsvolle Literatur für diese Besetzung ermöglicht. Mit dem, was da gemeinhin als „Blasmusik“ bezeichnet wird, haben solche Konzerte jedenfalls kaum etwas zu tun. Drei Zugaben hat sich die Jugendkapelle erspielt, aber dann wurden fleißig Blumen an die Mitverantwortlichen sowie italienische Essenzutaten samt Besteck an den Dirigenten verteilt, der mit seinem Einstand eindrucksvoll vor Augen geführt hat, wie unverzichtbar die großartige Arbeit an der Musikschule für die Stadt und die Jugend Lindaus geworden ist.