Klavierwerk Mozarts (Titel fehlt)

LINDAU – Die Reihe sämtlicher Klavierwerke Mozarts ist mittlerweile in der siebten Runde angekommen. Publikum und Interpreten wie zuletzt Elizaweta Stepanowa zeigen durch guten Besuch und die spürbare Entdeckerfreude seitens der Künstler, wie lohnenswert dieser Weg für alle Beteiligten ist.

Die regelmäßigen Besucher kannten es bereits, den neuen wird es sofort aufgefallen sein: das ausgeprägte Klangempfinden dieser 22-jährigen Pianistin, der es auch in den harmlos anmutenden Frühwerken Mozarts gelang, musikalische Funken daraus zu schlagen und ihnen interpretatorischen Glanz zu verleihen. So wuchs den fünf Ausschnitten dieses Konzertes, die erneut dem sogenannten „Londoner Skizzenbuch“ gewidmet waren, soviel Ernst und Eigenständigkeit zu, dass man Mühe hatte, dahinter „nur“ den damals achtjährigen Komponisten zu sehen.

Das a-moll Rondo KV 511 formte die weissrussische Pianistin zu einem Vortrag, in dem sich Erhabenheit, Gelassenheit und musikalische Schönheit wie selbstverständlich paarten. Kein falsches Pathos verstellte hier den Blick auf den tragischen Charakter dieser Komposition.  

Vor den ganz anders gearteten „Salve tu Domine“-Variationen hat Elizaweta Stepanowa kurz die Bühne verlassen und damit auch ein Zeichen für ihre musikalische Sensibilität gesetzt; den virtuos ausgerichteten Fortgang über das berühmte Paisiello-Thema, hat sie dann mit Elan und hoher Anschlagskultur bewältigt.

Dass die berühmte, so genannte „Sonate facile“ KV 545 genügend Aspekte bereithält, um den Interpretationsunterschied zwischen Amateuren und Profis zu erfassen, hat Elizaweta Stepanowa in ihrem gleichermaßen schlichten wie auch ungemein flüssigen Zugang zu diesem Stück eindrucksvoll demonstriert. Das gefühlvoll gespielte Andante wurde dabei zum musikalischen Höhepunkt der Sonate. 

Nach der Pause erklangen zunächst die zwölf Fischer-Variationen KV 179. Mit Akkuratesse und überlegener Gestaltungskraft kam sie dem Witz und den rhythmischen Feinheiten dieses Werkes bei, und auch hier wurde man sich wieder der Ausnahmestellung dieser Künstlerin bewusst. Die beiden zu einer Sonate zusammengefassten Köchel-Nummern 533 und 494 beschlossen den offiziellen Teil; auch hier war es das Andante, ein feierlicher und tiefgründiger B-Dur-Satz, der sich unter Elizaweta Stepanowas Händen zu hoher Ausdruckskraft und ungeheurer Dichte entwickelte.

Als Zugabe huschte schließlich das Scherzo aus Mendessohns „Sommernachtstraum“ vorbei – doch trotz seines flüchtigen Charakters wird es als Teil eines Konzertes in Erinnerung bleiben, das zu den Höhepunkten dieser ehrgeizigen Reihe gehört.