Klassikwunschkonzert auf der Orgel

LINDAUEine schöne Vorstellung: da sitzt der liebe Gott hinter einer der prächtigen Kirchensäulen und lächelt vergnügt, weil ihm seine Orgeln statt Chorälen und Kirchenliedern auch einmal an einem Klassikwunschkonzert teilhaben lassen. Ein Vergnügen, das Er sich am Freitagabend mit einer Menge Zuhörer teilen konnte.

Gelegentlich muß auch so ein Instrument den Ruf verteidigen, den es sich im Laufe der Jahrhunderte erworben hat, denn zur „Königin der Instrumente“ wird man ja nicht nur aufgrund der Größe. Zwar gibt es zahlreiche Bearbeitungen, wo Orgelwerke für andere Besetzungen – meist für das Klavier – umgeschrieben werden.

Doch hat je eine Violine, eine Flöte gewagt, den festlichen Klang einer „Feuerwerksmusik“ oder die bezwingenden Orchesterfarben der „Moldau“ zu imitieren, ohne sich dabei gründlich zu blamieren?

Lediglich dem Klavier als Einzelinstrument ist es vergönnt, wenigstens eine ungefähre Vorstellung davon zu vermitteln, was der Komponist außer der Melodie noch an harmonischem Material im Sinn gehabt hat. Doch vor der Vielfalt der zahllosen Orchesterfarben muß schließlich auch so ein Instrument kapitulieren.

Genau an diesem Punkt setzt die Orgel an, all ihre Stärken auszuspielen. Und auch wenn die Wiedergabe vertrauter Orchesterwerke nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben gehört, so vermittelt sie doch den nachhaltigsten Eindruck ihrer nahezu unbegrenzten Klangmöglichkeiten. Freilich bedarf es dazu solch erfahrener Organisten wie dem Münchener Stefan Moser, der zusammen mit Kirchenmusiker Nikolaus Schwärzler sämtliche Klang vorgaben in einem Pulk von beinahe hundert Registern umzusetzen vermag. Und so erstrahlt dann die Ouvertüre von Händels „Feuerwerksmusik“ in festlichem Glanz, und die Notenstruktur ihrer nachfolgenden Sätze wird durch den Orgelklang ganz neu beleuchtet. Bei den Variationen über Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ von Bert Koelewijn wurden die aufwendigen Registrierarbeiten zwischen den Stücken geradezu sichtbar, doch heitere Unruhe entstand erst, als eine dieser Variationen in Dudelsackmanier einherkam. Eine großartige Toccata-Variation beschloß den Teil auf der Marienorgel. Nach Wagner und „Moon and Roses“ zeigte dann die Steinmeyerogel ihre ganzen klanglichen Stärken bei Mozart, Dvorak und Smetana. Erhaben in der Zauberflöten-Ouvertüre, von berückender Sinnlichkeit im langsamen Satz der 9. Sinfonie und in bestechenden Orchesterfarben dann die Vielfalt der „Moldau“.

Stehend feierte am Ende ein begeistertes Publikum den Münchener Organisten. Und für den „Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik in der Stiftskirche“ war dieses Konzert mit dem Titel „Orgel mal etwas anderes“ eine eindrucksvolle Demonstration ihrer beiden herrlichen Instrumente.