Kabarett Volksdampf untersucht ein Leben ohne Hirn

LINDAU – Kult ist, wenn selbst der schönste Sommerabend nicht verhindern kann, dass sich zahllose Menschen ins dunkle Zeughaus drängen und alle Plätze füllen, um wieder einmal „Volksdampf“ zu sehen. Das oberschwäbische Musikkabarett befasste sich dort mit der Frage „Birn Out – ist ein Leben ohne Hirn möglich?“

Eines ist sicher: auch 25 Jahre konnten der Truppe, die diesmal in Dreierbesetzung mit Lisa Greiner, Suso Engelhardt und Rainer Muffler antrat, nichts anhaben. Keine Spur von „Birn Out,“ jedoch viele Beispiele dafür, dass vielleicht ein Leben ohne Hirn möglich ist, aber gewiss nicht solches Kabarett. In seiner unnachahmlichen Mischung aus Dialektpflege, vermeintlicher Arglosigkeit und Musikalität nahm sich „Volksdampf“ einmal mehr jene Zeitgenossen und Themen zur Brust, denen man allenfalls noch mit Kabarett und Satire beikommen kann.

Mit unverhohlenem Stolz verwies man erst einmal auf die 25-jährige Vergangenheit und stellte freudig fest: „und immer no Leut gnuag.“ Dann aber ging es ordentlich zur Sache, sie machten sich über den Überwachungsstaat, die Telekom und Schnäppchenjäger her und bekannten sich brav zu Frieden, Umwelt und all die Dinge, für die eben eine gute Gesinnung reicht. Aus diesen Vorlagen entwickelten sich herrliche Wortspiele und geistreiche Dialoge, die oft noch mehr als in den früheren Programmen zu treffenden Schlusspointen führten. Ungefährdet vermischte die Gruppe manchen Kalauer mit gescheiten Geistesblitzen und verblüffte immer wieder mit einzelnen Musiknummern, die nicht nur gut klangen, sondern sowohl stimmlich als auch instrumental souverän beherrscht wurden.

Hierbei überzeugte Lisa Greiner durch ihr situationssicheres Geigenspiel, Rainer Muffler insbesondere dann, wenn er Bluesgitarre spielte, und Suso Engelhardt, wenn er wieder einmal zu seinem rekordverdächtigen „Langsingen“ ansetzte oder am Schluss mit einer italienischen Tenor- Zugabe einen wahren Beifallssturm auslöste. Zur echten Glanznummer avancierte Lisa Greiners Methode, einen Einkaufszettel mit Computer zu erstellen; Suso Engelhardts Erkenntnis blieb ihr in seiner späteren Schlussfolgerung darauf durchaus auf der Spur: „bei einem intelligenten Computer gibst du einfach all deine Probleme ein – und die kommen dann nie wieder raus.“

Beißender Humor

So reihte sich Nummer an Nummer, Gag an Gag, ohne dass die Übergänge hart oder unpassend wirkten. Zurück blieb die Erkenntnis, dass „Volksdampf“ offenbar nichts von seiner Spontaneität, Unverwechselbarkeit und seinem wachen und – wo angebracht- beißenden Humor verloren hat.