LINDAU – Pünktlich zum Muttertag hatte der Zeughausverein erneut eine Frau zu Gast. Das Soloprogramm der Ravensburgerin Jutta Klawuhn widmete sich denn auch dem Thema „Mütter“.
So viel vorweg: Wer sich überwiegend auf freche oder kabarettistische Einlassungen zu diesem ergiebigen Thema gefreut hatte, wird wohl ein wenig enttäuscht gewesen sein. Denn Jutta Klawuhn holte weit aus, um ihren „Müttern“ geschichtliches Gewicht und erzählerische Ausführlichkeit angedeihen zu lassen. Von der mutterspezifischen Schwierigkeit, kaum eine Geschichte zu Ende erzählen zu können, weil bestimmt wieder ein Kind dazwischen kommt, war jedenfalls wenig zu spüren.
Das Publikum war also aufgefordert, den Riesenschritten zu folgen, die uns von Zeus zu Astrid Lindgren oder von Pharao, dem heiligen Josef bis zu den Gebrüdern Grimm führten. Dabei fand Jutta Klawuhn einen durchaus ansprechenden Mix zwischen Fabeln, Geschichten und Sagen, und sie verstand es immer wieder, durch ihre wunderbare Erzählkunst für Spannung und höchste Aufmerksamkeit zu sorgen. Gleichwohl litt ihre Darbietung hin und wieder an allzu langen Geschichten, die den Raum für Klawuhns kabarettistisches Talent doch allzu sehr begrenzten und ihrem Programm eine gewisse Vorhersehbarkeit verliehen. Auf diese Weise haftete ihren Publikumskontakten etwas Alibihaftes an, weil sie eher der notwendigen Auflockerung als einer stimmigen Programmentwicklung zu dienen schienen. Auch dem Finale mit seinen Improvisationselementen fehlte der eigentliche Biss, womit die Chance weitgehend vertan war, mit einen echten Höhepunkt abzuschließen.
„Mütter“ bot gewiss viele Momente, die durch Jutta Klawuhns Können Tiefe und große Intensität hatten. Ihre schauspielerische Kompetenz blitzte insbesondere immer dann unvermittelt auf, wenn sie unmittelbar von einer Stimmung zur anderen wechselte, mal übermütig und derb, dann anrührend und ernst ihr Thema umkreiste. Zu den Veranstaltungen allerdings, die man am liebsten gleich an Freunde weiter empfehlen möchte, gehört sie vermutlich nicht.