LINDAU – Begeisterung und Respekt hat der Trioabend um den 20-jährigen Pianisten Johannes Wilhelm im Forum am See ausgelöst. Das gut besuchte Konzert hat das hohe Niveau Lindauer Kammerkonzerte eindrücklich unterstrichen.
Wenn ein Mozart-Werk am Beginn eines Programmes mit Kammermusik steht, gerät das schnell in den Verdacht einer Aufwärmübung. Zu Unrecht, wie das Klaviertrio-Johannes Wilhelm, Cornelia Löscher (Violine) und Ute Groh (Violoncello) gezeigt hat. Zwar zeugte das beherzte Tempo im Allegro des B-Dur Trios KV 502 auch vom jugendlichen Elan dieses Trios, doch ließ es eben auch hinsichtlich Tongebung, sensibler Übergänge und Ausdruckstiefe keinerlei Wünsche offen – ganz zu schweigen von der technischen Überlegenheit, mit der die drei Künstler verblüfften.
Schuberts meditatives „Notturno“ verfehlte auch unter der ergriffen lauschenden Zuhörerschaft im Forum seine Wirkung nicht – trotzdem widerstanden die Künstler der Versuchung, das Werk mit falschem Pathos anzureichern. Dass sie indes auch mit zeitgenössischen Komponisten umzugehen wissen, bewiesen sie mit dem Trio „Tempus Edax Rerum“ des Österreichers Ernst Ludwig Leitner. Der vorwärtsdrängende Gestus dieser Musik, ihre schlank geführten Unisono-Passagen und der präzis und flüssig dargebotene Rhythmus kamen den Qualitäten der drei Musiker sichtlich entgegen.
Diese bewährten sich natürlich insbesondere beim Schlusswerk dieses Konzertes, dem 1. Klaviertrio von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der warme, füllige Celloton Ute Groths, der den Beginn dieses Stückes prägt, verband sich hier aufs Schönste mit dem ungemein sicheren und reinen, manchmal fast schon zu direkten Geigenton von Cornelia Löscher. Doch hinterließen das bewegte, wunderschön ausgesungene Andante, ebenso das flüchtige Scherzo und das perfekte Zusammenspiel im Schlusssatz einen so großen Eindruck, dass sich die Musiker schließlich gerne zu einer Zugabe hinreißen ließen: Haydns 3. Satz aus op. 39, dessen überbordendes ungarisches Temperament sie wirkungsvoll mit dem eigenen verbanden. Begeisterter Beifall!