Junge Künstler zelebrieren schwebende Momente

Das Stipendiatenkonzert im „Forum am See“ durfte sich eines hohen Besucherzustromes erfreuen. Es gab Bewundernswertes zur Wiener Klassik – doch taucht in einem solchen Rahmen Beethovens letzte Klaviersonate auf, fällt es schwer, die anderen Werke und ihre Interpreten hinter diesem musikalischen Kosmos noch angemessen zu würdigen.

Erst zehn Jahre alt ist Mona Celina Ott, die das Stipendiatenkonzert mit Mozarts G-Dur Sonate KV 283 eröffnete. Mit sicherem Fluss, akkuraten Betonungen und kontrollierbarem Tempo im Presto-Finale machte sie die Anweisungen ihres Lehrers hörbar. Michail Lifits versah die darauffolgende Chaconne d-moll von Bach-Busoni mit feinem Gespür für Farb- und Tongebung; die eruptiven Ausbrüche mitsamt ihren technischen Schwierigkeiten meisterte er mit bezwingender Überzeugungskraft.

Der mit 28 Jahren älteste Teilnehmer des Abends gestaltete Beethovens Fantasie op. 77 schlank und durchsichtig und gestattete mit diesem Spiel manch überraschenden Blick auf den kompositorischen Reichtum dieser Partitur. Wahrhaft „con spirito“ eröffnete Ayumi Janke mit Mozarts D-Dur Sonate KV 311 dann den zweiten Teil des Abends, wo sie hohe Fingerfertigkeit mit musikalischem Geschmack in Einklang brachte.

Schwebende Momente im langsamen Satz wusste sie ebenso zu zelebrieren wie sie den Pralltrillern oder Doppelschlägen im Schlußsatz zu virtuoser Geltung verhalf. Was jedoch danach folgte, war in seiner darstellerischen Konzentration und musikalischen Dichte so eindrucksvoll, daß man beinahe sicher sein möchte, damit den künstlerischen Höhepunkt des Klavierfestivals bereits erlebt zu haben. Ist es für eine 19-Jährige erstaunlich genug, die außerordentlichen technischen Schwierigkeiten von Beethovens op. 111 vergessen zu machen, so bestach die Russin Elena Melnikowa darüber hinaus auch durch das hohe Maß an geistiger Durchdringung, die sie dieser Komposition angedeihen ließ. Die Kompromisslosikeit und Ernsthaftigkeit im ersten Satz, die Verwandlung der Arietta in jene Variationen, die sich schwer, verzweifelt und wie ein Appell auftürmen, um sich am Ende fast auszuhauchen, gewannen im Spiel der jungen Künstlerin eine suggestive Kraft, der sich kaum einer der Zuhörer zu entziehen vermochte. Am Ende lange, fast ehrfurchtsvolle Sekunden, ehe anhaltender Beifall sowohl der Betroffenheit als auch der Bewunderung Ausdruck zu schaffen versuchte. Am heutigen Abend findet das erste Orchesterkonzert in der Denkfabrik-Tanner statt.