Jockel Tschiersch warnt vor Banal-Sex

LINDAU – Schlüpfrig und sehr unterhaltsam hat sich Jockel Tschiersch bei seiner Lesung im Zeughaus präsentiert. Mit der österreichischen Schauspielerin Julia Koschitz machte er Sexerlebnisse seiner Figuren zum Hörerlebnis.

Bereits vor vier Jahren hat Jockel Tschiersch Ausschnitte aus seinem Traktat „Blind Date in Wilmersdorf“ vorgestellt – seinerzeit noch im Alten Rathaus. Jetzt ist er mit der österreichischen Schauspielerin Julia Koschitz ins voll besetzte Zeughaus gekommen, um dort erneut die Zuhörer vor der „Banalisierung der Sexualität“ und den „Wirren vorsätzlicher Erotik“ zu warnen.

Schauspielerische Kraft der beiden Profis und ironischer Umgang mit dem oftmals schlüpfrigen Text katapultierten diese Lesung in jene Reihe von Veranstaltungen, die man unter dem Aspekt Unterhaltungswert ganz oben einreihen muss. Die herrlichen Wortspiele paarten sich elegant mit pornographischen Häppchen, absurde Einfälle endeten stets in geistreichen Pointen.

Nichtzuletzt hat sich jetzt der Kreis der Personen, die im „Blind Date in Wilmersdorf“ ihre sexuelle Rolle spielen, zu einer originellen Geschichte verdichtet – insbesondere, was das Schicksal der Protagonistin Kathi angeht, die ihre bisherigen Männerbekanntschaften ja so fantasievoll ins Jenseits zu befördern wusste.

Dass die geschilderten Ereignisse ihren speziellen Reiz aber eher als Hörbuch denn als Buch entwickeln dürften, hat der fulminante Auftritt der beiden Schauspieler eindrucksvoll untermauert.