Als das, was man sich unter „Isle of Music“ vorstellt, wird Lindau dem Coesfelder Jugendsinfonieorchester wohl nicht in Erinnerung bleiben. Für die Zuhörer allerdings, die sich in den ersten paar Reihen des Stadttheaters einfanden, könnte dieses Konzert ein besonders niveauvoller Einstieg in jene lange Nacht gewesen sein, die von ganz anderen Tönen dominiert wurde.
Er ist selten genug, dieser imposante Anblick, wenn sich die Bühne des Stadttheaters mit einem Sinfonieorchester füllt – seltener noch, wenn dieses aus jungen und begabten Musikern besteht. Umso mehr ist es zu bedauern, wenn ein solches Konzert im kulturellen Überangebot, wie es am vergangenen Samstag herrschte, trotz aller Werbeanstrengungen ziemlich untergegangen ist. Keine leichte Situation also für die anwesende Oberbürgermeisterin, die an dieser Terminüberschneidung wohl nicht ganz unschuldig ist und die im Begrüßungswort ihre Enttäuschung über den geringen Besuch nur schwer hinter ihrer Freude, Menschen aus ihrer alten Heimat zu begrüßen, verbergen konnte.
Wie gut das Orchester aus Coesfeld ist, ließ sich bereits an der kraft- und spannungsvoll gespielten Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“ von Christoph Willibald Gluck erkennen. Die Intonationsschwierigkeiten, die den Streichern von Amateurorchestern oft so schwer zu schaffen machen, waren bei diesem erstaunlich homogenen Orchester kaum zu hören – wohl auch ein Verdienst ihrer beiden Dirigenten Bernd Mertens und Rudolf Innig, der die Musikschule in Coesfeld leitet.
Bereits im ersten Teil war auch die Sopranistin Barbara Adams-Heidbrink, Gesangslehrerin in Coesfeld, mit „Rusalkas Lied an den Mond“ von Dvorak zu hören, nach der Pause sang sie noch „Moon River“. Auch an ihrer Leistung ließ sich das hohe Niveau ablesen, das an dieser Musikschule herrschen muss. Bizets „L’Arlésienne-Suite“ mit ihren Möglichkeiten, die einzelnen Instrumentengruppen genauer zu studieren, beendete den ersten Teil. Den zweiten Teil bestritt jetzt der Dirigent Bernd Mertens. Es schien, als würde das Orchester nun noch präziser agieren, denn sowohl die schmissige „Cowboys“-Ouvertüre von John Williams als auch das humorvoll verwandelte Orchesterwerk „Auf einem persischen Markt“ wirkten jetzt noch um einige Nuancen eleganter. Den musikalischen Abschluss bildete dann ein Potpourri aus „Porgy and Bess“, dem sich dann der Dank an diejenigen anschloss, die sich für dieses Projekt engagiert hatten. Schade, dass dieses unterhaltsame Hörerlebnis nicht größeren Zuspruch gefunden hat!