Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan (Dario Fo)

Schnoddrigkeit und Machtbewusstsein verpasst

Der glänzende Auftakt zu insgesamt zwölf Wiederholungen ist gemacht. Dank imponierender Einzelleistungen wird dem „Blauen Kater“ sein Dauerflirt mit den Ansprüchen des Profitheaters gestattet sein. Dario Fo’s Komödie „Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan“ jedenfalls befindet sich bei Elisabeth Gessau und ihrer Truppe in kompetenter Hand.

Diese Kompetenz gilt insbesondere auch den Elementen, die ein Theaterstück erst zu einer unverwechselbaren Inszenierung machen. Da sind zunächst die Kostüme, für die in erster Linie wieder einmal Helga Liebert zuständig war: Angesichts ihrer Pracht und Vielfalt beginnt man zu ahnen, was für ein großer Fundus sich da mittlerweile innerhalb Lindaus Theater-und Ballettszene (!) angesammelt haben muß – und wieviel tausend Stunden da meist ehrenamtlich beigesteuert wurden.

Die Bühnenausstattung ist zweckmäßig, phantasievoll – im Falle von Ferdinands „Kriegsmaschine“ sogar humorvoll – und gestattet schnelle Szenenwechsel. Trotz einer Länge von beinahe drei Stunden tat der „Blaue Kater“ gut daran, nicht auf die passenden, ungemein effektvollen Musikbeiträge zu verzichten, die der begabte Florian Wetter eigens für dieses Stück geschrieben und überwiegend für Bläser arrangiert hat. Zusammen mit einigen Spezialeffekten hatten die Musiker oft großen Anteil an bestimmten Szenenwirkungen.

Es ist hier nicht der Raum, auf alle einzelnen Spielerinnen und Spieler einzugehen. Doch waren es gerade die „kleineren Rollen“ – man denke an die Zimmerleute, Soldaten oder Seeleute – die wach, aufmerksam und diszipliniert das Spielgeschehen begleiteten, es oft genug aufs Witzigste karikierten und sich immer wieder schnell umstellen mussten. Wieder einmal hinreißend agierte Christian Bandte als ziemlich bedauernswerter König Ferdinand. Stolz, aber wehrlos sah er sich den ständigen Herabsetzungen seiner Frau Isabella ausgesetzt, was reichlich Nahrung für sein komödiantisches Talent bot. Wie er sich auf seinem lächerlich-männlichen Kriegsspielzeug gebärdete, ließ in Bandtes Spiel gleichermaßen das Kindliche wie auch Unverhinderbare seines Eroberungswahns erahnen. Die Schwere seiner persönlichen Tragik wie auch seiner geschichtlichen Mission verkörperte sich jederzeit in Ulrich Mayer, der einen nuancenreichen Columbus präsentierte.

Leidenschaftlich in seinem Wunsch an das Herrscherpaar nach der notwendigen Ausrüstung, imponierte er gleichermaßen durch die Hingabe, mit der er seine Lügengeschichten aufzutischen wusste: ein Columbus, der in beindruckendem Einklang zu den Vorgaben seiner Rolle stand. Auch Elisabeth Gessau schlüpfte wieder einmal ins Theaterkostüm. Der Königin Isabella verpaßte sie die nötige Schnoddrigkeit; ihr beachtliches Machtbewusstsein und die Verachtung, mit der sie Untergebene behandelte, fand in Gessaus Spiel eine besonders glaubwürdige Umsetzung.

Daneben fielen noch Peter Kristukat auf, der sowohl den Pater Diego als auch den Richter mit erstaunlichem Rollenverständnis versah; Sofie Schaaf als „Johanna die Verrückte“, die frech, locker und mit den schön erspielten Widersprüchlichkeiten ihres Stigmas arbeitete; und Alice Müller, die immer auf der Höhe des Geschehens und offenbar vielseitig einsetzbar ist.

Mit der Stringenz dieser Inszenierung, der sprachlichen Sorgfalt und einem überaus motivierten Ensemble dürften Zulauf und Anerkennung für den „Blauen Kater“ eine weitere und verdiente Steigerung erfahren. Lang anhaltender Beifall für eine tolle Leistung.