Interview mit Cordula Trantow

Heute Abend findet die letzte Aufführung des „Jedermann“ in Lindau statt – Zeit für ein vorläufiges Resümée. Mit der Initiatorin und Intendantin des Projektes, Frau Cordula Trantow, hat unser Mitarbeiter Winfried J. Hamann gesprochen.

LZ: Frau Trantow, Ihr „Jedermann“ ist zwar auf große Publikumsresonanz gestossen, ist künstlerisch aber eher verhalten aufgenommen worden. Wie stehen Sie dazu?

Trantow: Mir ist bisher erst eine Besprechung bekannt. Die Resonanz bei der Premiere jedenfalls war durchwegs positiv. Im Übrigen ist die Konzeption immer eine Frage der Regie – und da hat eben jeder seine Sicht der Dinge.

LZ: Die Entscheidung, St. Stephan als Aufführungsort zu wählen, fiel relativ kurzfristig. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Kirche und in Lindau gemacht?

Trantow: Den Theatersommer gibt es seit 15 Jahren, so dass wir natürlich Erfahrungen mit unterschiedlichen Spielorten und – stätten haben. Hier in Lindau ließ sich mit allen Beteiligten wunderbar zusammenarbeiten. Insbesondere Theatermeister Christian Bandte war höchst motiviert und hat nie auf die Uhr geschaut. Alle Beteiligten vor Ort haben sehr professionell gearbeitet, und stets stand das Gelingen des Projektes im Vordergrund .

LZ: Um Ihr Theaterprojekt in den drei Städten Lindau, Starnberg und Bad Wörishofen zu verwirklichen, mussten grosse finanzielle Mittel eingesetzt werden, die überwiegend aus Steuergeldern kommen. Wie erklären Sie das Leuten, denen die Nähe Ihres Projektes zu einem „Event“ ohnehin suspekt ist und die unter „Kulturförderung“ anderes verstehen?

Trantow: Die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern mit Beteiligung der Kommunen besteht seit 15 Jahren und bezieht sich auf den gesamten Spielplan des „Theatersommers“. Er ist ja kein „Pionierprojekt“, sondern stellt lediglich für Lindau eine neue Form professionellen Theaters dar, die der Freistaat eben für unterstützungswürdig hält.  

LZ: Mit einem Publikumsmagneten wie „Jedermann“ war es vermutlich gar nicht so schwer, Ihr geplantes Sommertheater in Lindau erfolgreich zu starten. Würden Ihnen auf Anhieb drei Stücke einfallen, mit denen sich  allein aufgrund ihrer Popularität eine ähnliche Resonanz erzielen läßt?

Trantow: Der Spielplan soll bis September fertig sein und ich will jetzt nicht vorgreifen. Es müssen natürlich bei der Auswahl regionale Bedingungen berücksichtigt werden. Bei allem Anspruch ist es wichtig, dass die Schwellenangst für die Zuschauer niedrig bleibt. Der Ort bestimmt die Dramaturgie – und es müssen auch die Vorstellungen des Kulturamtes berücksichtigt werden. 

LZ: Lindaus Theater wird vor allem von Tourneebühnen bespielt, die – ähnlich wie Sie – immer wieder auch zugkräftige Namen auf dem Programm haben und oft hervorragendes Theater bieten.  Welche zusätzlichen Argumente haben sie für die örtlichen Entscheidungsträger, um Lindau auch weiterhin in den „Theatersommer“ einzubeziehen? 

Trantow: Ein Argument ist, wie viele Leute kommen von außerhalb, um so etwas zu sehen. Wenn man es gescheit macht, kann eine Stadt mit diesem „Werbeträger“ Gewinn machen. Das geht nicht von heute auf morgen, wie zahlreiche bekannte und zwischenzeitlich etablierte Festivals zeigen. Das Ministerium jedenfalls steht auf dem Standpunkt, daß der „Theatersommer“ eine Bereicherung für die jeweilige Region sein kann. Und unterstreicht damit auch die Bedeutung der Kultur. 

LZ: Was glauben Sie, mit welchen Gefühlen Sie Lindau morgen verlassen werden?

Trantow: Mit einem sehr guten – man freut sich immer, wenn Vorstellungen ausverkauft sind. Persönlich hoffe ich, dass wir die Herzen hier einnehmen konnten und dass es uns gelingt, die Menschen für den „Theatersommer“ in Lindau zu gewinnen.

LZ: Vielen Dank für das.Gespräch!