LINDAU (wjh) – Die Messlatte ist gelegt: auch in Sachen Violine scheint der Internationale Konzertverein Bodensee dort anzuknüpfen, wo er sich seit nunmehr neun Jahren mit seinem Klavierfestival bewegt – nämlich ganz oben. Das Mozart-Konzert im Lindauer Stadttheater hat diesen Anspruch eindrucksvoll untermauert.
Vielleicht hätte man es noch deutlicher hervorheben müssen, um das Theater ganz voll zu bekommen: dass dort nämlich ein ausgewachsenes Orchesterkonzert mit zwei Sinfonien und zwei der schönsten Violinkonzerte Mozarts stattfinden würde – und das alles gespielt von Musikern und jungen Solisten mit einem geradezu beängstigend hohen Niveau. Die Zuhörer (darunter die Oberbürgermeisterin) waren jedenfalls begeistert und ließen sich am Ende zu wahren Beifallsstürmen hinreißen, als der Slowake Ondrej Jánoska mit seiner Paganini-Zu-gabe noch einmal den Leistungsstand des Meisterkurses dieser Woche Umriss.
Wäre der Begriff „Orchester der Nationen“ nicht schon besetzt, so könnten Initiator Peter Vogel und seine Frau ihr „Festivalorchester“ mit Fug und Recht danach benennen: aus Österreich, Rumänien, Deutschland, Italien, Taiwan und Spanien kommen die jungen Musikerinnen und Musiker, die jetzt unter der Leitung von Ferenc Bognar dieses Konzert einstudiert haben. Dessen ausgeprägter Sinn für große Linien und seine Fähigkeit, den klanglichen Reiz, der sich hinter mancher Instrumentierung der Mozart’schen Partitur verbirgt, herauszuarbeiten, hat dieses Konzert zu einem hochklassigen Erlebnis gemacht. Das Zusammenspiel zwischen den Musikern und Roy Gablinger im G-Dur-Konzert, später auch mit Ondrej Jánoska im großen A-Dur Konzert war geprägt vom Gleichgewicht, das hier zwischen Solist und Orchester gefordert ist: kein virtuoser Ausbruch stellte sich hier zwischen den musikalischen Inhalt und die technischen Anforderungen. Dirigent und Solisten hatten sich eher dem noblen, fast leicht und behutsam wirkenden Umgang mit Mozarts Werken verschrieben als dem Aufspüren billiger Effekte. Das ging keineswegs auf Kosten des emotionalen Gehaltes, der sich beispielsweise in den langsamen Sätzen durch schwelgerische Langsamkeit oder durch lustvoll aufgegriffene Anweisungen in der Partitur wie dem“col legno“ im letzten Satz des A-Dur Konzertes ausreichend Raum verschaffte.
Einstieg in Meisterkurs
Besondere Anerkennung erwarb sich auch das „gemischt“ besetzte Horn- und Oboenpaar, dem Mozart nicht nur in den beiden Sinfonien (er hat sie als 16-jähriger komponiert) wichtige Aufgaben zugewiesen hat, sondern auch in den Violinkonzerten. Zusammen mit den glänzend aufeinander eingestellten Streichern ist diesem Festival somit ein Einstieg in den ersten Violin-Meisterkurs gelungen, der sowohl dem Publikum als auch den Kursteilnehmern eine Vielzahl von Gründen geliefert hat, um beim weiteren Geschehen dabei zu sein.