Inspirationsquelle für ein vielfältiges Angebot

LINDAU – Lindaus landschaftlicher Reiz stellt nicht nur in den Sommermonaten eine ständige Konkurrenz gegenüber vielen Kulturanbietern dar. Andererseits scheint die exponierte Lage auch eine besondere Inspirationsquelle zu sein, um diese Vielfalt und Vielzahl kultureller Angebote entstehen zu lassen. Ein Rückblick auf 2001 kann daher allenfalls einige Veranstaltungen streifen.

Auch Kulturamtsleiterin Dr. Angela Heilmann, befragt nach ihrem persönlichen Favoriten, muss erst mal passen: „Eine Antwort fällt mir nicht leicht. Auf jeden Fall gehören der Klavierabend von Grigory Sokolov (am 10. Februar), aber auch die beiden großen Mozart-Vespern in der Stiftskirche mit Freiburgern Künstlern und der hervorragenden Sopranistin Sybilla Rubens (am 30. Juni) dazu. Ebenso müsste der beeindruckende Abend mit Gert Westphal und Gisela Zoch-Westphal und den St. Petersburg Virtuosen (am 19. April) „Geliebte Freundin“ zum Thema Tschaikowsky und Nadesha von Meck genannt werden. Natürlich sollten unbedingt auch die IBK Künstlerbegegnung sowie das Theaterfestival Triangel in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Der Jazzclub ist gleich mit einer ganzen Reihe exquisiter Konzerte ins Jahr gestartet, um im März mit dem Barbara Saskia-Quintett gar eine „musikalische Sternstunde“ (LZ) zu erleben.

Überaus großen Zuspruch fand das Klavierfestival des Internationalen Konzertvereines Bodensee, der erstmals auch im Tanner-Forum zu Gast war und dort mit seinen Orchesterkonzerten eine ganz neuartige Bühne vorfand. Die Russin Elena Melnikowa war eine der eindrucksvollen Solistinnen und sie war auch Gewinnerin des erstmals verliehenen Förderpreises der ZF-Stiftung Friedrichshafen. Die Vorauswahl fand im „Forum am See“ statt und dort — im edlen Saal des Schwörerhauses — hatte auch das neugegründete Vokalensemble „a tempo“ unter Ulrike Friedmamm seine Premiere und ein brechend volles Haus. Mit Schuberts Es-Dur Messe im April und Mendelssohns „Lobgesang“ im Dezember wusste der Kammerchor unter Lutz Nollert in der Stephanskirche zu begeistern, während die benachbarte Stiftskirche sich immer mehr als Veranstalter für musikalische Großveranstaltungen (z. B. Verdis „Requiem“ oder Justus Frantz) zu engagieren scheint. Nach wie vor gelingt es Wilfried Bergmann und seinem Collegium Musicum, manch „kirchenmusikalischen Schatz zu heben“, was er in diesem Jahr besonders klang- und eindrucksvoll mit Schütz und Gabrieli in der Wasserburger St. Georgskirche tat — wie überhaupt die Nachbargemeinden ihr kulturelles Angebot immer deutlicher ins Bewusstsein rücken.

Gleich mehrere Jubiläen wurden im Jahr 2001 gefeiert: Jupp Zeltinger feierte sein 50-jähriges Bühnenjubiläum in der vollen Inselhalle, während die Musikschule im Stadttheater ihre 50 Jahre mit einer erfolgreichen Kinderoper und einem Festkonzert beging. Sein „Geburtstagsjahr“ hat das Theater Blauer Kater zunächst mit einer großartigen Aufführung von Botho Strauß’ „Groß und klein“ eröffnet, ehe dann im September die offizielle Feier zum 15. Geburtstag im Zeughaus zu noch größeren Erfolgen — jetzt im Bahnhofterrassensaal — überleitete: „Männer, Männer“, eine musikalische Revue von Franz Wittenbrink nach einer Aufführung des Hamburger Schauspielhauses.

Mehr als Klassik und Theater

Von den Veranstaltungen im Zeughaus bleiben insbesondere „Mannes Sangesmannen“ und der Spielbodenchor Dornbirn mit „Fremdsein ist ein Witz“ in lebhafter Erinnerung. Ein volles Haus gab es auch in Oberreitnau, wo am 28. April die Big Band Bayern gastierte und mit zahlreichen Künstlern aus der Region für Begeisterung sorgte. Mit einem erlesenen Programm gelang es einmal mehr dem Ensemble LindArt, den schon beinahe chronischen Dornröschenschlaf des Rokokosaales im Juli zu unterbrechen. Willy Astor hat es am 8. November geschafft, die Inselhalle zu füllen; dort mussten auswärtige Veranstalter in diesem Jahr vor allem wegen zu geringer Nachfrage manche Hoffnung fahren lassen: Trotz massiver Werbeunterstützung sind beispielsweise „Nabucco“, die Tanzformation „Celtic Life“ und die Johann-Strauss-Gala abgesagt worden. Auch der Zeughausverein ist mit seinem umfangreichen Programm an die Grenzen der Publikumsakzeptanz, aber auch seiner eigenen Möglichkeiten gelangt und wird im kommenden Jahr wohl mit einem konzentrierteren Angebot aufwarten müssen.

Mehr Glück ist den neugegründeten „Spitalkonzerten“ beschieden: Im schönen Ambiente des Gewölbesaales im Heilig-Geist-Hospital scheint das musikalische Angebot gut auf den Geschmack des Publikums abgestimmt zu sein und wird auch entsprechend angenommen. Über großen Rückhalt aus der Bevölkerung darf sich mittlerweile auch das Lindauer Marionettentheater freuen, das den Status einer festen kulturellen Institution erreicht hat. Das meiste aber kann in diesem Rahmen gar nicht erst erwähnt werden, doch soll zum Schluss zumindest auf einen der wichtigsten Kulturträger der Stadt hingewiesen werden: den Club Vaudeville, der nach wie vor die meisten Angebote bereithält und nicht nur die Jüngeren, sondern immer wieder auch die Älteren (etwa mit Konzerten wie „Them“) daran erinnert, dass Kultur mehr als nur Klassik und Theater bedeutet.