Die Lindauerin Tatjana Zimre hat im Fach „Oboe solo“ den ersten Preis im diesjährigen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen. Unser Mitarbeiter Winfried Hamann sprach mit der 20-Jährigen, die soeben ihr Abitur am Valentin-Heider-Gymnasium (VHG) bestanden hat und ab Herbst Musik studieren will.
LZ: Sie haben innerhalb weniger Wochen zwei wichtige Ziele erreicht: das Abitur mit einem Schnitt von 1,3 und beinahe zeitgleich den ersten Preis im Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“. Worüber haben Sie sich mehr gefreut?
Tatjana Zimre: Darüber, dass ich tatsächlich ein so gutes Abi habe, habe ich mich natürlich gefreut. Doch eigentlich bedeutet mir der erste Preis in diesem Bundeswettbewerb, bei dem mich Chiaki Nagata am Klavier begleitet hat, fast noch mehr: Immerhin gab es hier 30 Mitbewerber.
LZ: Sie haben zeitgleich für die Schule und Ihre musikalische Weiterentwicklung gearbeitet, was wohl einen Menge Disziplin erfordert. Wie muss man sich Ihren Alltag im vergangenen Jahr vorstellen?
Zimre: Naja, die Woche, als ich sowohl das Kolloquium als auch den Wettbewerb hatte, war schon anstrengend. Früher musste mich meine Mutter natürlich schon antreiben. Aber in der Zwischenzeit weiß ich, wie ich das Üben auf der Oboe und der Geige einteilen muss – und wie viel man lernen muss, um gute Noten zu bekommen. Beides fällt mir glücklicherweise nicht allzu schwer.
LZ: Die Schulzeit ist zu Ende, nun beginnt Ihr Weg in die berufliche Zukunft. Wie geht es jetzt weiter? Gibt es für Sie einen Traumberuf?
Zimre: Ich habe mich für die Musik entschieden, auch wenn ich weiß, dass die Konkurrenz riesig ist. Ich hoffe natürlich, dass ich nach dem Musikstudium in einem Orchester oder einem Ensemble unterkomme. Zusätzlich werde ich jedenfalls eine Ausbildung zum Musiklehrer machen, falls ich später einmal darauf zurückgreifen muss.
LZ: Als Oboistin haben Sie zunächst an der Lindauer Musikschule bei Thea Krauß begonnen, haben dann aber in Wangen und anschließend am Landeskonservatorium Vorarlberg bei Manuchehr Sahbei weitergemacht. Waren das rückblickend die richtige Reihenfolge und der jeweils günstigste Zeitpunkt für diesen Wechsel?
Zimre: Die einzige Oboenlehrerin der hiesigen Musikschule hat seinerzeit nach Wangen gewechselt – und dorthin bin ich ihr natürlich gefolgt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es aber sinnvoll, das erworbene Können anderswo zu erweitern. Das ist bei der Ausbildung auf einem Instrument ja auch ganz normal.
LZ: Wie bewerten Sie den Einfluss, den die Musikschule auf Ihren musikalischen Werdegang hatte?
Zimre: Ich hatte dort mit sechs Jahren angefangen, Klavier zu lernen und habe die Basiskenntnisse erworben, die mir wohl auch heute noch zugute kommen.
LZ: Sie sind sicherlich eines der Ausnahmetalente, die ihren Weg über die Musikschule gemacht haben. Worin sehen Sie die wichtigste Aufgabe einer Musikschule? Sollte sie zum Beispiel versuchen, möglichst hohe Leistungen zu erzielen, oder sollte sie vor allem sicherstellen, dass jeder, der ein Instrument erlernen möchte und vielleicht sogar mit anderen zusammenspielen mag, dies auch tun kann?
Zimre: Es sollte eine Mischung aus beidem sein. Letztlich liegt es am jeweiligen Lehrer, ob er die Begabung eines Schülers richtig einschätzt und ihm dann auch die richtigen Tipps und Empfehlungen für seinen weiteren musikalischen Weg gibt.
LZ: Sie waren ein Jahr lang in St. Petersburg und haben wesentlich zum gegenseitigen Austausch der jeweiligen Musikschulen beigetragen. Was war der Grund, überhaupt dorthinzugehen, und worin sehen Sie die größten Unterschiede zur hiesigen Arbeit?
Zimre: Mit 16 wollte ich unbedingt ins Ausland; da meine inzwischen verstorbene Großmutter Russin war, habe ich zu Hause russisch gelernt. So kamen wir auf St. Petersburg, wo es viele Musikschulen gibt. Die damalige Klasse am VHG konnte ich durch meine Unterrichtsteilnahme am Gymnasium ganz offiziell überspringen. Bereits nach einem halben Jahr in der elften Klasse des VHG bin ich dann für ein halbes Jahr nach Frankreich gegangen, wo ich das Schuljahr auch beenden konnte. Der Hauptunterschied zu einer russischen Musikschule besteht vor allem darin, dass es richtige Klassen gibt und man dort auch nur diese sieben Jahre bleiben kann. Es gibt eine Aufnahmeprüfung, man verteilt Noten und es geht insgesamt strenger und wohl auch disziplinierter vor. Allerdings bilden die dort vor allem Solisten aus – der Ensembleunterricht müsste meiner Ansicht nach viel mehr gefördert werden.
LZ: Der erste Preis bei einem Bundeswettbewerb ist ja durchaus etwas Besonderes. Gab es danach schon Anfragen von Ensembles oder gar von Orchestern?
Zimre: Zunächst ist es jetzt offenbar einfacher, sich für einen Meisterkurs zu bewerben. Der Preis beinhaltet beispielsweise auch die Möglichkeit zur Teilnahme an der renommierten „Detmolder Sommerakademie.“ Ich kann ab Herbst auch in Freiburg bei einem Professor zu studieren anfangen, könnte aber nach der bestandenen Prüfung vielleicht auch am Mozarteum in Salzburg anfangen. Ob ich allerdings zu den vier Musikern gehöre, die dort angenommen werden können, erfahre ich erst in den nächsten Wochen.
LZ: Sie haben einen allgemeinen Wunsch frei – welcher wäre das?
Zimre: Ich würde mich über einen Oboen-Meisterkurs in Lindau freuen!