Die Italienischen Reise des Doktor Faust (Miguel Angel Cienfuegos)

Hoher Unterhaltungswert dank starker zweiter Halbzeit

Wie man der Faust-Thematik und Goethes Italien-Reise mit den Mitteln der Commedia dell’Arte beikommt, hat die „Compagnia Teatro Paravento“ aufgezeigt. Einige haben das gut besuchte Stadttheater zur Pause verlassen, brachten sich damit aber um eine starke zweite Halbzeit.

Man vergisst bei der Vielzahl guter Theaterangebote gelegentlich, wie bedeutsam und stilbildend jene Einflüsse sind, die der „Commedia dell’Arte“ zuzurechnen sind. Und manchmal hat man den Eindruck, als fühlten sich viele Schauspieler gerade dann besonders wohl, wenn sie möglichst viel davon auch zeigen können, denn schließlich haben sie das ja gelernt: den Tanz, das Singen, Improvisieren und die akrobatischen Übungen. Wenn diese Elemente dann zum Schwerpunkt werden, entsteht daraus nicht selten ein kunterbuntes Ensemble, dem die Lust am Spiel besonders deutlich anzusehen ist.

Zu dieser Kategorie gehört die „Compagnia Teatro Paravento.“ Aus Chile, Italien, Irland oder der Schweiz kommen ihre Mitglieder, sogar eine schöne Peruanerin ziert das Ensemble. Doch auch wenn sich die Weimarer Auftragsproduktion „Carnevale“ mit dem deutschesten aller Theaterstoffe beschäftigt – dem Faust nämlich -,  so verzichtet sie zwar auf einen deutschen Schauspieler, nicht aber auf fröhliche-freche Spitzen gegen manches, was dessen Volk so unverwechselbar macht. Ausgerechnet also während des römischen Carnevales zieht sich Faust nach Rom zurück, um nunmehr dort seinen Pakt zu schließen, sich in ein Mädchen zu verlieben, das bekannte Unheil heraufzubeschwören, um am Ende nichts mehr von all dem wissen zu wollen.

Von Fausts mürrischem „Ich soll genießen inmitten dieser Raserei“ bis zum finalen Vorwurf des großen Magiers „Du wolltest den Sinn des Carnevale nicht begreifen“ spannt sich also der Handlungsbogen, unter den die putzmuntere Theater-, Zirkus- und Musikantentruppe fantasievollste Beigaben legt. Eingewickelt in achtbare Zirkusnummern, verwegenen Seiltanz, hintergründige Gags und schamlose Zur-Schaustellung des Schweizer Dialekts gewinnt die Aufführung zusehends an Fahrt, die man ihr zunächst gar nicht Zutrauen wollte. „Die Schauspieler wollen die Zuschauer erobern“, heißt es da im Begleittext. Ob sie das wirklich von Beginn an tun wollten, erfährt man allerdings nicht.

Doch am Ende muß man der „Italienischen Reise des Doktor Faust“ des Chilenen Miguel Angel Cienfuegos, der gleichzeitig auch den Magier und den Mephisto spielte, einen hohen Unterhaltungswert bescheinigen. Darüberhinaus war sie eine intelligente Bereicherung für das Theaterprogramm der laufenden Saison.