LINDAU – Jupp Zeltinger feierte Jubiläum und alle kamen. Auch wenn die Insel an diesem Wochenende Kultur im Übermaß bot, so sah sich der Jubilar einer imposanten i Zuschauerkulisse gegenüber. Die wurde nicht nur Zeuge eines hochklassigen Jazzabends, sondern auch eines Beispiels gelungener Hilfe für Mitmenschen.
Gute Zeiten für Big-Band-Jazz: nicht einmal eine Woche nach der „Egg-Big-Band“ im Zeughaus war es nun die Bigband Dornbirn, die von der Klasse dieser Disziplin im benachbarten „Ländle“ zeugte. Den Worten ihres Bandleaders Paul Boeckle war dar bei durchaus zu entnehmen, dass man es als Ehre betrachte, dem schon beinahe zur „Jazzlegende der Bodenseeregion“ avancierten Jupp Zeltinger musikalisch aufzuwarten. Mit Präzision, effektvollen Übergängen und ausgefeilter Dynamik demonstrierten die Dornbirner, wie mitreißend solche Musik sein kann. Bei solch geballtem, aber‘ auch diszipliniertem Bläsersound war die Hoffnung des Jazzclub-Vorsitzenden Herbert Kiefer auf weiteren Mitgliederzuwachs sicherlich nicht unbegründet. Und die vielen „Römerbädler“ – soweit sie nicht ohnehin schon zum jazzigen Dunstkreis ihres prominenten Vibraphonisten gehören – werden einmal mehr die vitale Kraft und Unmittelbarkeit dieser Musik verspürt haben, denn die feierten gleichzeitig mit Zeltingers 50-jährigem Bühnenjubiläum ihr 10-jähriges Vereinsdasein. Doch noch vor dessen Auftritt durfte sich die stellvertretende Landrätin Anneliese Spangehl erst einmal über einen Vorabscheck über 1000 Mark freuen, welcher der LZ-Aktion „Wir helfen“ zugute kommt. Eine Freude auch für Michael Urbanzyk, der als Organisator wohl den Hauptanteil am Zustandekommen und Erfolg dieser Feier hatte.
Endlich aber kam dann Jupp Zeltinger mit seinem Sextett und der überragenden Sängerin Wally Stühmer auf die Bühne. Drummer Gerd Morgenstern war es mit einem geheimnisvollen, klangspielerischen Solo Vorbehalten, deren Auftritt angemessen in Szene zu setzen. Es gehört aber zum musikalischen Verständnis Zeltingers, diesen Auftritt nicht mit plattem und plakativem Donner zu vollziehen, sondern mit einem Neugierde erweckenden, schier zufällig sich formenden Vorspiel, das sich dann aber wie selbstverständlich zu einer swingreichen Nummer entwickelt.
Sein Programm hat der Jubilar zu einer homogenen Abfolge verschiedener Eigenkompositionen und kreativ verarbeiteter Standards gestaltet und bis auf die Zugabe vom Vibraphon aus belebt. Dabei schöpfte er den größten Teil seines improvisatorischen Potentials aus dem sensiblen Zusammenspiel mit Wally Stühmers Stimme.
In seiner unnachahmlichen Weise schneiderte er musikalische Ornamente und halsbrecherische Verzierungen um deren Vortrag als ginge es um den Nachweis, dass echte Kammermusik – und mit ihr das gegenseitige Zuspiel – ihren Ursprung eigentlich im Jazz habe. So wurde nicht nur bei Titeln wie etwa „Autumn leaves“ oder gar dem abschließenden „As time goes bye“ offenbar, wie dicht sich kongeniales Können und Vertrautheit bei dieser Musik liegen können, um daraus Jazznummern von großer Authentizität entstehen zu lassen.
Und da es bereits zu Beginn verraten war, dass Jupp Zeltinger immer häufiger auch zur Mundharmonika greift, um ihr ungeahnte Möglichkeiten für seinen geliebten Jazz zu entlocken, schloss der Lindauer Musiker „seinen“ Abend mit diesem Instrument. Eine rundweg würdige Veranstaltung für eine 50-jährige Bühnenkarriere.