Herrenquartett verbreitet Glück

LINDAU – Mit dem Namen „Mistcapala“ konnten vielleicht die meisten der zahlreichen Zeughausbesucher nichts anfangen. Die Mischung aus Musik, Kabarett und Sketchen aber traf am Donnerstagabend zusehends den Nerv des Publikums, das sich am Ende nur ungern von den Künstlern trennen wollte.

Das war der Anspruch der vier Herren: „Wir wollen Sie dort abholen, wo Pfarrer Fliege Sie stehen gelassen hat.“ Und dies die Legitimation: Man komme schließlich aus Landsberg am Lech; denn wie kürzlich jemand festgestellt hatte, leben dort die glücklichsten Menschen Deutschlands – man war also prädestiniert, einen Teil dieser Glückserfahrung in andere Regionen zu tragen.

Dafür hatte sich das Quartett mit Gitarre, Akkordeon, Bass und allerlei Rhythmusinstrumenten gewappnet, was aber nur die „Grundausrüstung“ darstellte. Denn richtig schlagkräftig wurde die Truppe erst dann, wenn sie auf ihr umfangreiches exotisches Inventar zurückgriff, also etwa auf Dudelsack, Drehleier oder Brummtopf. Im Verbund mit dem sprachlichen und darstellerischen Multitalent Tom Hake und den gleichfalls komödiantisch veranlagten Kumpanen war man also bestens gerüstet, um damit die erwartungsvollen Menschen im Zeughaus wenigstens kulturell glücklich zu machen.

Leicht war das zunächst nicht. Das kleinkunsterfahrene Publikum im Zeughaus gab sich erst mal zurückhaltend: „Nun macht mal schön“ schien es aus den Reihen zu raunen, und die Hinweise auf die vermeintliche Bregenz-Konkurrenz kamen nur teilweise an. Doch mehr und mehr – insbesondere nach der Pause – verfingen der trockene Witz und die herrlichen Verwandlungskünste von Tom Hake, die von Günther Schramm über Loriot bis zu Emil reichten und so manchen kabarettistischen Glanzpunkt setzten, ohne dabei freilich ins pure Nachmachen zu verfallen.

Skurrile Szenen mehren sich

Gleichzeitig vermehrten sich auch die musikalischen Späße und die skurrilen Szenen, die sich „Mistcapala“ – was wohl Mistgabel bedeuten soll – ausgedacht hatten. Schließlich fügten sich der oftmals schwarze Humor und die versteckten Anspielungen auf die Unmöglichkeiten des Alltags zu einem runden Gesamtbild, das den eigenwilligen Charakter und damit das Charakteristische dieser Musikkabarett-Gruppe dann umso deutlicher hervorhob. Immer häufiger brandete jetzt Szenenapplaus auf, der zunächst von einer hinreißenden Bolero-Interpretation ausgelöst wurde. Immer dichter wurde der Kontakt zwischen den Musikern und den Zuschauern, bis endlich jedem im Saal klar wurde, wie originell und unverwechselbar die Darbietungen waren, die uns „Mistcapala“ an diesem Abend präsentiert hatten.