Guten Tag, Herr Liebhaber (Horst Pillau)

Vergnüglicher Saisonabschluss

Welch hübscher Einfall: Betriebsprüfung bei Künstlern. Diesen Zusammenprall zweier Denkwelten vollführt ein honoriges Schauspielerensemble des „Theater am Kurfürstendamm“, das damit die Saison 98/99 zu einem vergnüglichen Abschluss brachte.

Klar, daß die beiden Finanzbeamten aus dem „Raubdezernat“ zum ungünstigsten Augenblick kamen. Hans-Jürgen Schatz und Eckhardt Bogda ließen auch prompt keines der Vorurteile aus, denen ja auch Exemplare im richtigen Leben meist ungeschickt ausweichen: Brille, Stulle, Aktentasche und der unglaubliche Verdacht, es könnten neben ihrer zahlengestützten Welt noch Dinge von ähnlicher Bedeutung existieren. Insbesondere Eckhardt Bogda als alles und jeden verdächtigenden Finanz-Inquisitor verschmolz zum hinreißenden Prototyp dieser Spezies und ließ erahnen, das es eine Steigerung von „Ekel Alfred“ gegeben hätte, wenn man ihn nur verbeamtet hätte.

Da konnte die agile Brigitte Grothum als Filmregisseurin noch so entwaffnend dagegen halten – sie tat gut daran, ihren Charme und ihre Lebensklugheit gegen den Steuersekretär Georg Liebhaber einzusetzen, um die bedrohlich aufragende Front der einwöchigen Betriebsprüfung zunächst einmal in die Horizontale zu verlegen. Was Viola (Dagmar Altrichter), das heimliche Familienoberhaupt des Künstlerclans und einst in alle Künstler verknallt, die vergilbte Schauspielführer zieren, zu der Bemerkung verführt: „Ich kann jede Verirrung verstehen – aber doch nicht mit einem Finanzbeamten!“

Über all dem steht Aufnahmeleiter Ossi; Herbert Kofer gelingt dabei die Unmöglichkeit, wandelndes Telefon und sympathischer Seelentröster in einer Person zu vereinigen, die zudem durch ihren berlinerischen Dialekt einnimmt. Debora Weigert übernimmt dabei die Rolle des aufmunterungsbedürftigen Schauspielerneulings und zeigt dabei, daß es daneben auch noch Platz für Regungen außerhalb ihrer Metiers gibt. „Guten Tag, Herr Liebhaber“ wäre kein Lustspiel, wenn am Ende nicht alle ein wenig geläutert daraus hervorgingen; und so nimmt man die unvermeidliche Pärchenbildung geduldig in Kauf, die am beklatschten Ende sogar noch Raum für die Vorstellung läßt, daß auch Finanzbeamte gelegentlich normaler Regungen fähig sind.