LINDAU – Obwohl „Grupo Sal“ ihre Musik immer wieder auch in den Dienst politisch motivierter Lesungen stellt, bleibt sie ihrer eigentlichen Passion treu: Konzerte mit lateinamerikanischer Musik zu geben und dabei Einblicke in das dortige Lebensgefühl zu vermitteln. So war es auch bei ihrem Auftritt im Zeughaus.
Üblicherweise darf eine Gruppe vom Format der „Grupo Sal“ bei ihren Auftritten mit vollen Sälen rechnen. Doch wenn am selben Tag gleich mehrere Kulturangebote – nicht zuletzt das „Lindauer Vokalensemble“ (siehe gestrige LZ) – um die Gunst der Zuhörer buhlen, wird es auch für solche Musiker eng.
An der Musik selbst lag das jedenfalls nicht. Denn der Portugiese Fernando Dias Costa schwor mit seiner markanten Stimme und seinem bezwingenden Charme sowohl seine beiden südamerikanischen Mitstreiter als auch das instrumentale „Schwabentrio“ – die Männer an Saxophon, Flöte und Bass stammen aus Tübingen und Stuttgart – auf ebenso natürlichen wie intensiven Kontakt zum Publikum ein. Da die Gruppe schon mehrmals in Lindau gastierte und auch bei diesem Auftritt auf mehrere treue Fans zählen durfte, war das Konzert von einer sehr Unmittelbaren, fast persönlichen Atmosphäre geprägt.
Musikalisch befeuerte sich die Gruppe ein ums andere Mal mit atemberaubender Perkussionsarbeit, wofür ihnen zahlreiche Instrumente – zum Beispiel Bongos, Congas, Cowbell, Cajon und Guiro – zur Verfügung standen. Auch das Gitarrenspiel der lateinamerikanischen „Fraktion“ war beseelt von der Musiktradition ihrer Herkunftsländer, jedoch weit entfernt von der braven und berechnenden Folklore, die einem bisweilen in Fußgängerzonen entgegenschallt.
Gegen diese Gefahr ist „Grupo Sal“ schon deswegen gefeit, weil ihnen mit Roland Geiger (Flöte), Harald Schneider (Saxophon und Klarinette) und Kurt Holzkämper (Bass) drei erstklassige Musiker zur Seite stehen, die immer wieder mit hinreißenden Soli und Improvisationseinlagen glänzten. Vermutlich ist es diese instrumentale Kombination, die den Erlebniswert und den Spannungszustand dieser Musik auf so hohem Niveau halten.
Tango ist auch dabei
Immer wieder gab es Hinweise oder auch Erklärungen zu literarischen Texten, die Fernando Dias Costa in exzellentem Deutsch und mit schauspielerischem Können präsentierte. Gleichzeitig sorgten insbesondere die Einlassungen des Argentiniers Anibal Civilotti für hintergründigen Spaß, manchmal auch vordergründigen Witz. Zwischen lyrischen Stücken, unbeschwerten Merengues und einem Rumba, der raffiniert Duke Ellingtons „Caravan“ zitierte, durfte natürlich der ein oder andere Tango nicht fehlen. Denn wie hieß es bereits zu Beginn: „Ein südamerikanischer Abend ohne Tango wäre ein Fragment.“