So viel Publikum war selten: weder Jahrmarkt noch Traumwetter konnten den großen Andrang zum Gemeinschaftskonzert der Musikschulen Lindau und St. Petersburg beeinträchtigen. Einmal mehr erwies sich der Gewölbesaal als Adresse, wo sich Ambiente und Gastfreundschaft besonders angenehm ergänzten.
Viel Arbeit für die russische Dolmetscherin: beflügelt vom Erfolg und den sich anbahnenden Kontakten gab es eine Menge Dankesworte, die sich Bürgermeisterin Seberich, Musikschuldirektor Gerhard Kirchgatterer und sein russischer Kollege Kim Petrovitch aufteilten. Noch einmal kam zum Ausdruck, dass es insbesondere der „Multi-Instrumentalistin“ Tatanja Zimre (Violine und Oboe) als Austauschschülerin zu danken war, dass der folgenreiche Kontakt zwischen beiden Musikschulen hergestellt werden konnte.
„Es sind immer die Verbindungen zu Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Dieses Humboldt-Zitat nutzte Gerhard Kirchgatterer, um schließlich auf die „Sprache des Herzens“ zu sprechen zu kommen, die Musik also, die den jungen Musikerinnen und Musikern hilft, auch sprachliche Barrieren zu überwinden. Das gelang zunächst mit einem Violinkonzert von Vivaldi; die junge Marscha Soultanzai spielte dessen Solopart trotz befürchteter Einschränkung souverän und überaus intonationssicher; das Jugendorchester war ihr dabei ein sicherer und gut vorbereiteter Begleiter.
Nach dem „deutschen Doppel“ – den Geschwistern Tatjana (Oboe) und Anna (Klavier) Zimbre – , das den langsamen Satz aus der Oboensonate von Camille Saint-Saëns wunderschön zelebrierte, war es das russische Klavierduo Fedor Krepak und Alexander Khazanow, das vom hohen Ausbildungsniveau der St. Petersburger Gäste zeugte: Das für zwei Klaviere bearbeitete g-moll Prélude von Rachmaninov sowie eine Balletszene aus Prokofievs „Romeo und Julia“ klangen unter ihren Händen erstaunlich professionell.
Nach der Pause war es die 11-jährige Marina Gronova, die ein weiteres Ergebnis dieser deutsch-russischen Freundschaft zusammen mit dem Jugendorchester präsentierte. Der erste Satz aus Haydns Klavierkonzert bildete hierfür die geeignete musikalische Grundlage, und es war schon bemerkenswert, wie sicher die junge Pianistin dieses Stück bis hin zur Kadenz bewältigte und sich dabei aufmerksam an der farbig instrumentierten Orchesterbegleitung orientierte.
Für Verena Fischer und Alexa Brösel wurde es dann ernst mit dem Gesang – Pergolesi, Gershwin und Andrew Lloyd Webber lenkten die Aufmerksamkeit auf diesen Ausbildungsaspekt der Lindauer Musikschule, der dort mittlerweile seinen festen und gut besetzten Platz hat. Die russische Delegation und die vielen Besucher dürften auch von den solistischen Leistungen beeindruckt worden sein, die sie von Claudius Fink (Trompete) und Katja Frick (Klavier) zu hören bekamen; der „Blues“-Satz des Concertinos für Trompete, Streicher und Klavier des Zeitgenossen Christopher Norton – er wurde 1953 geboren – bildete ein wirkungsvolles Finale, das die meisten der jungen Instrumentalisten noch einmal auf der Bühne versammelte. Dorthin entlud sich am Ende nicht nur begeisterter Applaus, sondern es wurden auch noch zahlreiche Geschenke an die Solisten des Konzertes verteilt. Nach der enttäuschenden Erfahrung beim Besuch des Jugendorchesters von Coesfeld wird die begeisterte Resonanz auf diesen Austausch Balsam für die Verantwortlichen der Musikschule sein.