Dürftiges Stück erhält zarten Schlussapplaus
„Die Operette“, so hieß es zu Beginn der Aufführung im Lindauer Stadttheater, „ist seine eigene Dauerkrise. „Stücke wie „Geliebter Jacques…Offenbach, den kennen Sie doch!“ mögen zwar vor Harmlosigkeit nur so strotzen, das Zeug jedoch, besagte Krise zu verschärfen, haben sie allemal.
Der Inhalt? Fünfköpfige Theatertruppe möchte unmittelbar vor Beginn der x-ten Aufführung ‚mal spontan etwas anderes machen, um sich hinfort an Offenbach’s „Pariser Leben“ zu vergreifen.
Das alles vermischt mit einigen bekannten Melodien, die ein „zufällig“ aus dem Publikum kommender Pianist begleitet (um am Ende – Schwäche selbst diesen kleinen Gags – nicht einmal zurückbegleitet zu werden). Das war’s.
Die Akteure in Lindau taten dies alles recht wacker und mit ansprechenden Operettenstimmen; mit Elvira Dreßen war sogar eine richtige Sängerin zu hören – nein, nichts sei gegen deren Bemühungen gesagt, das Publikum hin und wieder zu freundlichem Beifall zu bewegen. Da wurde gehopst und gesungen, getanzt und gesprungen – selbst die Pappnase bekam ihren Auftritt. Allein, die Spritzigkeit und das Unbeschwerte Offenbachs wollten und wollten sich nicht einstellen: als bäte man die Vorstandsetage einer Bank um die Darbietung eines deftigen Schuhplattlers.
Und so währte der „Musikalische Spaß“ mit Offenbach lange achtzig Minuten, etwaige Rückzugsgedanken wurden durch das Fehlen einer Pause unterbunden. Bis dahin hatte sich so manch hübsche Melodie und manch bekannter Gag in Geduld zu üben, um an die Reihe zu kommen; das war eine kleine Weile ganz nett – von einem richtigen Theaterabend zu sprechen, war es aber dann doch ziemlich wenig.
Es fügte sich trotz allem zu einem stimmigen Gesamteindruck, da die Heftigkeit des zarten Schlussapplauses und die Überschaubarkeit der Zuschauermenge der Dürftigkeit des Stückes durchaus ebenbürtig waren.