Frühere Verhältnisse (Johannes Nestroy)

Gegen Ende doch noch vergnüglich

Gleich zweimal hat Lindau in diesen Tagen des 200-jährigen Geburtstages von Johann Nepomuk Nestroy gedacht: zunächst mit einer Schüleraufführung des Bodensee-Gymnasiums und jetzt mit „Frühere Verhältnisse“ im Stadttheater. Dort allerdings hielt sich die Schar der Gratulanten in Grenzen.

Mit Nestroy ist das oft so eine Sache: Eine Weile lang klingt vieles althergebracht und aus anderer Zeit und die meisten Inszenierungen setzen sich dann noch ein Bühnenbild vor die Nase, das diesen Eindruck offenbar noch verstärken soll: in der Aufführung des Tourneetheaters „Der grüne Wagen“ war das nicht anders, wobei hier die lustvollen Geschmacklosigkeiten des Interieurs natürlich einen ersten Hinweis auf die einfachen, „früheren Verhältnisse“ des Emporkömmlings Scheitermann liefern sollten. Helmut Schuster in seinem etwas vordergründigen, manchmal fast plumpen Komödiengestus passte jedenfalls gut in diesen Rahmen, dem Natalie Obernigg als Gattin Josefine allerdings erst den rechten Glanz gab.

Es dauerte bis nach der Pause, ehe der Sprachwitz, die zahlreichen Anspielungen und die beabsichtigte Gesellschaftskritik ganz zur Entfaltung kamen – der matte Pausenbeifall ließ zunächst schlimmeres befürchten. Doch mit dem prächtig aufgelegten Thomas Egg als Hausknecht Muffl und der so komisch distinguiert aufspielenden Linde Prelog als Köchin Peppi gewann das Stück an theatralischem Schwung, der durch die dazwischen gestreuten Couplets auch in musikalischer Hinsicht erhalten wurde. Mit Herzenslust machte man sich wieder einmal über die Männer her, die Holzhändler Scheitermann – reich und dumm – zu repräsentieren schien. Schöne Regieeinfälle, behutsame Hinweise auf die Theaterwelt und herrliche spielerische Momente (man denke an den erhabenen Abgang der Peppi Amsel) bestimmten immer mehr das Geschehen. Mit bekannten Melodien, die auch vor der „Zauberflöte“ nicht halt machten, häufte sich dann der Zwischenbeifall zusehends. Über allem schwebte charmant und verbindlich der Wiener Dialekt und spät, aber immerhin doch noch, entwickelte sich die Nestroy-Posse schließlich zu einem vergnüglichen, durchaus authentisch wirkenden Theaterabend.