Gabi Lodermeier im Stadttheater

Ob das weite Theaterrund, in dem gerademal jeder sechste Platz beansprucht wurde, der rechte Ort für Gabi Lodermeiers Revuekonzentrat war? Sei’s drum: ihr entschlossener Auftritt als Putzfrau ins hell erleuchtete Theaterparkett ließ uns Zuhörern fortan wenig Raum, eingehender darüber nachzudenken. Wie schon in dieser Szene alle Facetten und Geheimnisse dieses Berufsstandes beschrieben wurden und wir Männer geradezu zu bedauern wären, davon ausgeschlossen zu sein, machte deutlich, daß da noch einiges zu erwarten war. Des Hinweises, ihren Lindauer Auftritt auch dem Umstand zu verdanken, daß sie – die Putzfrau – zwischendurch auch ‚mal „do ‚rei in’d‘ Provinz“ müsse, bedurfte es da schon gar nicht mehr.

Ab hier galt es der Lodermeier zu folgen auf ihrem Städteparcours, den sie als Tante Lisi zu ihren fünf Nichten unternahm. Frappierend, wie sie dann nicht nur Kleidung und Dialekt wechselte, sondern gleich auch das passende Alter dazu lieferte. Ihr Sprachwitz stülpte sich mitleidslos über ihre wehrlose Verwandtschaft, die vom „Edipuskonflex“, „ferngesteuerten Desperados“, der „privat-anonym-therapeutischen Sonntagsfürsorge von Frau zu Frau“ bis zur „Second-Hand-Ware“ – da geschieden! – alles aufzubieten hatte, was eine Kabarettistenzunge zur Guillotine macht. Dabei zeugten ihre glaubhaft verkörperten Rollen von einer scharfen Beobachtungsgabe, die sich der Gefahr, ins Reich der Kalauer abzugleiten, kaum ausgesetzt sah. Die beklemmende Wendung, die sich bei nahezu allen Szenen gegen Schluß ergab, verdeutlichte zudem die oft grausame Widersprüchlichkeit ihrer Figuren: die sinnlich????

Mehr als neunzig Minuten kratzte Gabi Lodermeier an der so dünnen Oberfläche ihrer Nichten, weckte Sympathien, Verständnis, meist Mitleid. Gründlich genug relativierte sie dabei die anfängliche, meist stellungsbedingte Selbstsicherheit ihrer Figuren mit den unbewältigten persönlichen Tragödien ihres Alltags.

Ihr Schlußwort „hinter jedem großen Mann steht eine große Frau“ dürfte unter diesem Aspekt bei beiden keinen allzu großen Übermut aufkommen lassen.