Friedensräume – Heitere Musik kontrastiert mit Texten

LINDAU – Rund hundert Zuhörer lockte die letzte Veranstaltung im diesjährigen Programm der „Friedensräume“ Lindau an. Man hatte nach St. Josef eingeladen, wo die Grupo Sal und der Religionstheologe Fulbert Steffensky einen eindrucksvollen Auftritt hatten.

Schon fast drei Jahrzehnte lang gilt die „Grupo Sal“ als Botschafter lateinamerikanischer Musik, und kaum einer gelingt es so glaubhaft, die dortige Folklore mit traditionellen Elementen und politischen Botschaften zu vermengen. Dass ihr das eine große Anhängerschaft beschert hat, liegt aber auch daran, dass die sechs Musiker – je zwei Bläser, Percussionisten und Saitenspieler, nämlich Gitarre und Kontrabass – allesamt als Könner ihres Fachs gelten, die zudem mit prächtigen Stimmen ausgestattet sind.

So wird ein beträchtlicher Teil der Zuschauer wohl auch wegen der zu erwartenden Musik gekommen sein, die auch diesmal wieder begeisterte und eine ungewöhnliche Intensität ausstrahlte. Fernab von jeglichem Straßenmusikerkitsch wurde deutlich, wie sehr in Lateinamerika Alltag und Musik miteinander verwoben sind, und wie wichtig sie ist, um dort mancher geschundenen Seele eine würdige Ausdrucksmöglichkeit zu verschaffen. Musik und Poesie sind dort Instrumente der Hoffnung, und so stand der Abend auch unter dem Motto „Lieder wider den Luxus der Hoffnungslosigkeit.“ Um dies zu unterstreichen, reist die Gruppe schon seit geraumer Zeit mit dem Theologen und Religionspädagogen Fulbert Steffensky in viele Städte, wo dieser dann eigene Texte liest. Sie handeln vor allem von Tradition, der eigenen Herkunft, von Angehörigen und davon, was selbst ihr viel zu früher Tod für uns bedeuten kann. Allerdings will er Gott für so viel ungelebtes Leben nicht „davonkommen lassen.“

Sprachliche Klarheit und Kraft

Gerade diese herausfordernden, ja anklagenden Passagen sind es, die den religiös geprägten Texten ihre Authentizität und ihre unmittelbare Wirkung verleihen. Steffensky glaubt an die Macht der Liebe, und er beschwört die Notwendigkeit des Erinnerns. Das Recht auf Hoffnung und das „Danach“ klagt er geradezu ein, und er tut das mit einer sprachlichen Klarheit und Kraft, deren Wirkung man sich kaum entziehen kann.

Vielleicht lag es an der charmanten Tristesse des Saales, vielleicht aber auch an der inhaltlichen Bedrücktheit mancher Texte, wenn die melancholische Grundstimmung nicht immer von den Musikern vertrieben werden konnte. Möglichenweise hätte auch ein Mehr an Liedern dazu beitragen können, die latente Textlastigkeit und die strikte Abfolge – einmal Lied, einmal Text – dieses gehaltvollen Abends etwas aufzulockern. Niemand wird aber bestreiten wollen, dass mit der Grupo Sal und Fulbert Steffensky zwei gewichtige Repräsentanten aufgeboten waren, die zum Thema des Abends Wichtiges und Wertvolles beitragen konnten. Dafür spricht nicht zuletzt die Tatsache, dass am Ende die Tische umlagert waren, auf denen ihre künstlerischen Produkte – hier die CDs, dort die Bücher – erworben werden konnten.