Filippa sorgt für volles Haus

LINDAU – Wenn Eltern ihre minderjährige Tochter abends in ein Lokal begleiten, so muss das kein Zugeständnis an die Gaststättenverordnung sein. Im Falle der 16-jährigen Filippa Gojo lag es eher daran, dass ihre Familie den wachsenden Erfolg der jungen Jazzsängerin miterleben will. Hierzu bot die brechend volle New Orleans Hörbar reichlich Gelegenheit.

Nach dem Wegzug des Jazzclubs vom Inselgraben nach Zech sind Jazzkonzerte auf der Insel seltener geworden. Nur der Zeughausverein, die „Fischerin“ und neuerdings auch die New Orleans Hörbar holen diese Musik gelegentlich in die Nähe ihrer Lindauer Wurzeln zurück – und die Zeichen mehren sich, das weitere Lokale das Zuhörerpotenzial für Jazz noch mehr erschließen wollen.

Mit dem Wolfgang Fauser Unlimited Jazz-Quintett und Filippa Gojo als Zugpferd haben die Initiatoren jedenfalls einen glücklichen Treffer gelandet. Das voll besetzte Lokal spiegelte dabei nicht nur den wachsenden Fankreis der sympathischen Sängerin samt ihres musikalischen Mentors Wolfgang Fauser wider, sondern es war auch Ausdruck dafür, dass viele Jazzliebhaber zwischendurch auch das Umfeld von Zigarettenrauch, gastronomischer Vielfalt und einer anderen Besuchermischung mögen. Dies umso mehr, wenn auch das musikalische Angebot stimmt.

Um das sicherzustellen, hat Fauser mit Daniel Seyr (Gitarre), Frank Denzinger (Drums/Percussion) und Wolfgang Kehle (Bass) drei gestandene Musiker um sich versammelt. Auf diese Welse ist ein packender Mix zwischen instrumentalen, improvisatorisch ausgekosteten Nummern entstanden und solchen, in denen Filippa Gojo im Zentrum des Geschehens stand: Offenbar unangestrengt, stets Spaß an ihren vokalen Kunststücken ausdrückend, verdichtete sie altbekannte Klassiker ebenso wie neuere Stücke zu großer Eigenständigkeit. Denn unabhängig von ihrer altersbedingen „kleinen“ Stimme hat sie das Wichtigste, was ein Jazzsänger braucht: Feeling, Intonationssi- cherheit, Ausstrahlung, Mut zur Improvisation und die stimmlichen Mittel, dies auch umzusetzen. Und all das gab es ebenso reichlich wie den Beifall am Schluss.