Die Kombination des „Internationalen Klavierfestivals“ mit dem Meisterkurs von Karl-Heinz Kämmerling hat sich zu einer kulturellen Erfolgsgeschichte entwickelt, von der alle Beteiligten profitieren. Das „geistige Kind“ von Festivalleiter Peter Vogel ist zwischenzeitlich fünf Jahre alt geworden, erfreut sich höchster Aufmerksamkeit und befindet sich offensichtlich in einer Verfassung, die besser ist denn je.
Davon kann mancher Meisterkurs nur träumen: 71 Bewerbungen trafen diesmal ein, und so galt es am ersten „Arbeitstag“ erst einmal, rund sechzig davon auszuwählen, um sie dann dem pädagogischen Geschick von Karl-Heinz Kämmerling und seinen assistierenden Dozentinnen Vasilia Efstathiadou und – erstmals in dieser Rolle – Sheila Arnold anzuvertrauen. Auf welch hohem Niveau sich die beabsichtigte Vervollkommnung musikalischer Fähigkeiten abspielen wird, demonstrierte gleich zu Beginn der 16-jährige Russe Igor Levit: die Fuge aus Max Regers Telemann-Variationen meisterte dieser technisch bravourös, so dass man gespannt sein darf, worauf der Kurs am Ende seine Akzente gesetzt haben wird.
In seiner Begrüßung konnte Peter Vogel auf eine Vielzahl namhafter Sponsoren verweisen, für welche dieses Festival zu einem attraktiven Partner geworden ist. Insbesondere fand dabei das Engagement der Kulturstiftung der ZF Friedrichshafen Erwähnung, die erneut als Hauptsponsor auftrat und im kommenden Frühjahr zum zweiten Mal ihren ZF-Musikpreis vergeben wird, der sich aus Teilnehmern dieses Festivals rekrutiert. Matthias Lenz als Stiftungsvorsitzender unterstrich in seiner Ansprache den Sinn solch zielgerichteter Förderung.
Noch einmal wies Peter Vogel auf die Charakteristika dieses Festivals hin, die eben nicht einem touristischen oder programmatischen Hintergrund entspringen, sondern eher pädagogisch und sogar therapeutisch zu sehen seien. Auch wenn man schon aufgrund der großen Teilnehmerzahl nicht frei von der alltäglichen Wettbewerbssituation sei, so bestehe das Ziel in erster Linie darin, die Herzen der Menschen und damit des Publikums zu erreichen.
Oberbürgermeisterin Petra Seidl versprach den Lindauern, aber auch den Gästen „Kunstgenuss auf höchstem Niveau“ und richtete ihren Dank erneut an Peter Vogel, ohne den es dieses Festival nicht gäbe.
Horst Poralla, der für die Sparkasse sprach, gab zwar zu bedenken, dass es nach vier erfolgreichen Festivals, aber auch als vierter Redner schwierig sei, noch neue Gedanken zu finden; dies hinderte ihn aber nicht daran, ein leidenschaftliches Plädoyer für das Zusammenwirken von Kultur und Wirtschaft zu halten und an die soziale Verantwortung von Unternehmen zu erinnern; um erfolgreich zu sein, seien gerade sie auf kulturell sensible Menschen angewiesen. Kunst und Kultur seine eine wichtige Hilfe bei der „Wiederentdeckung der Langsamkeit“, wie Poralla in Erinnerung an Schopenhauer feststellte.
Nach den virtuos geprägten Zwischenstücken von Chopin und Liszt ergriff am Ende auch der Leiter des Meisterkurses, Professor Karl-Heinz Kämmerling das Wort. Bei aller Dankbarkeit, hier sein zu dürfen, war es ihm jedoch ein Anliegen, auf das gleichzeitig stattfindende Leid und den vielfachen Tod im Irak hinzuweisen. Er erinnerte an die Worte von Yehudi Menuhin, und dessen Sorge, dass sich die „Werke zu verkehren drohen, weil sich“ – gerade in Kriegszeiten – „der psychologische Hintergrund der Musik ändert.“ Nach diesem Zitat wurde das unangekündigte zarte Intermezzo aus op. 117 von Johannes Brahms zum nachdenklichen Abschluss dieses Eröffnungsabends.