Erlesenes Programm
Wieder einmal hat das Ensemble „LindArt“ die Tore zum schönen Rokokosaal geöffnet. Mit einem erlesenen Programm trotzte es erfolgreich dem unwirtlichen Wetter und lockte mehr als 50 Zuhörer an.
Erstmals mussten die Lindauer Musiker ohne Nikolaus Schwärzler auskommen, der diesmal lediglich als Gast im Publikum saß. Die Arbeit am Cembalo hat derweil Irmgard Reichenbacher übernommem und so war immerhin für eine gute künstlerische Kontinuität im Continuo gesorgt, die gerade in den barocken Stücken vonnöten ist. Seinen Auftakt nahm das Programm jedoch mit einer Chaconne von Jean Baptiste Lully, in dessen Todesjahr Bach erst zwei Jahre alt war. Die Vorgaben in spielerischer und akustischer Hinsicht wurden bereits hier deutlich: Jeder große, kraftvolle Ton würde sich in dieser Umgebung genussvoll ausdehnen, während die zahlreichen subtilen Momente zumindest im Tutti zu versinken drohten.
Um so präsenter klangen dann aber die solistischen Passagen, wie sie in der nachfolgenden Triosonate von Bach für Flöte, Violine und Basso Continuo zu erleben waren. Claudia Ferber und Katja Klein entfachten einen austarierten Dialog, der vom prägnanten Rhythmus der Continuo-Gruppe mitgestaltet, hin und wieder aufgrund der akustischen Verhältnisse fast dominiert wurde. Delikat und mit sauberem Spiel brachte das „hausinterne“ Streichquartett – Katja Klein und Wolfgang Ferber an der Violine, Maria Häberle mit der Bratsche und Marlies Kiraly am Violoncello – Mozarts bekanntes F-Dur-Divertimento KV 138 zum Erklingen. Das natürliche Tempo und die geradezu selbstverständlich wirkende Gestaltung kamen hier dem Divertimento-Charakter entgegen; gegen die Interpretation als intimes Kammermusikwerk sprach hier wohl der Verzicht auf ausgestaltete Übergänge und das Ausnützen dynamischer Reserven.
Nach der Pause beeindruckte der schlanke Bläserton in Johann Christian Bachs Flötenquartett, der sich gut gegen die etwas vordergründige metrische Betonung im Cembalo abhob. Michael Klein war schließlich Solist in der a-moll-Suite von Georg Phillipp Telemann. Der pastorale Klang seiner Blockflöte verband sich ein ums andere Mal mit den beiden Violinen zu schwelgerischen Klangfarben, die im Rokokosaal besonders stilvoll eingebettet wirkten. Die springlebendige Umsetzung dieses achtsätzigen Werkes wurde auch zum packenden Schluss von „LindArt“, deren Musiker in dieser Form natürlich nicht um eine Zugabe – ein Satz aus einem Doppelkonzert für Flöten – herumkamen.
So ist für Rokokosaal und „LindArt“ an Bedauerlichem nur zu vermelden, dass beide so selten zu genießen sind.